Benedictum: Der Titel hat einfach auf so viele Tragödien unserer Zeit gepasstBENEDICTUM-Frontfrau Veronica Freeman (The V) über das neue Album "Seasons Of Tragedy", wie lange es dauert ein Epos zu schreiben und darüber, bei welchem Song man grinsen muss wie ein Kind vor dem Christbaum.

Musikmagazin.at: Hallo Ms. Freeman und Danke für die Bereitschaft ein paar Fragen über das neue Album und die Band zu beantworten. Um ehrlich zu sein, habe ich nichts von dem Debutalbum "Uncreation" mitbekommen, weshalb ich eine Weile gebraucht habe, um zu bemerken (üblicherweise höre ich mir zuerst die CDs an und lese danach den Pressetext), dass die Stimme von BENEDICTUM eine Frau ist. Und das meine ich als Kompliment. Wie bist du in die Musikbranche gekommen, bzw. wie kam die Band zustande?

Benedictum: Der Titel hat auf so viele Tragödien unserer Zeit gepasstVeronica Freeman: Nun, danke für das Kompliment, ja, ich habe hin und wieder eine ziemlich aggressive Stimme ... du müsstest mich hören, wenn ich meine Geduld verliere (lacht). Ich singe jetzt schon eine ganze Weile. Eigentlich war es Craig Godly der mich dazu überredet hat und er hat mich auch vor langer Zeit dem Metal nahe gebracht. Ich hab mich sofort in diese Musik verknallt. Nachdem ich in ein paar Coverbands usw. gespielt habe, hab ich mich mit Pete Wells zusammengetan, der seither mein Partner beim Songschreiben ist. Wir hatte eine Band in San Dieog und haben in ein paar Clubs vor Ort gespielt, aber als es offensichtlich wurde, dass die anderen Bandmitglieder kein Interesse daran hatten, auf einer höheren Ebene weiterzuspielen, haben wir beschlossen, uns ein wenig umzusehen und die Band gegründet, die jetzt als BENEDICTUM bekannt ist. Craig war immer mein Mentor und als er die Rehearsal-Tapes unserer neuen Band gehört hat, hat er sich hinter uns gestellt und uns mit Jeff Pilson bekannt gemacht, der unsere beiden Alben produziert hat.
Musikmagazin.at: Das Album hat eine ziemliche "heavy" Schlagseite. Besonders das Riffing ist ziemlich kräftig und in Kombination mit deiner aggressiven - und doch irgendwie melodischen - Stimme ergibt das puren Metal. Wie schreibt ihr die Songs? Macht ihr das gemeinsam oder kommt jemand von der Band mit einer Idee an und sagt den restlichen Mitgliedern einfach, was sie wie zu spielen haben?

Veronica Freeman: Nun, hauptsächlich sind Pete und ich für die Songs verantwortlich. Wir haben da unser eigenes kleines System, dass wir über die Jahre entwickelt haben. Er schreibt ein paar Riffs und ich höre sie mir immer und immer wieder an, bis eines davon herausragt und mich inspiriert. Das ist der Moment, in welchem ich mit der Arbeit an den Texten beginne und die Melodien ausfeile und an ein paar Arrangements rumtüftle. Am Ende machen wir gemeinsam das Feintuning. Wir sind aber auch offen für Vorschläge der anderen Bandmitglieder.
Musikmagazin.at: Warum der Albumtitel "Seasons Of Tragedy"? Ich konnte nicht anders als an all die Dinge zu denken, die gerade rund um uns passieren (Krieg gegen Terror, Krieg gegen Nuklearmächte, Krieg gegen Krieg,...). Sieht nicht so aus, als würden wir in einer sehr friedlichen Zeit leben. Ist der Albumtitel eine Referenz an unsere Zeit, oder wurde er nur ausgewählt, weil er cool klingt?

Benedictum: Der Titel hat auf so viele Tragödien unserer Zeit gepasstVeronica Freeman: Ein wenig von beidem. Da ich die Texte für BENEDICTUM schreibe, benutze ich das auch ganz gern um ein bisschen therapeutisch Dampf abzulassen. Als wir beschlossen haben einen epischen Song wie "Seasons Of Tragedy" zu machen, war das Konzept so ausgelegt, dass es sich dabei um die Seele eines Menschen handelt, der durch die Jahreszeiten des Lebens wandert. Als die Idee dann weiterentwickelt wurde haben mich die ganzen Entwicklungen rund um uns herum natürlich nicht kalt gelassen. Der Titel hat einfach auf so viele Tragödien unserer Zeit gepasst, dass es sich ganz einfach natürlich ergeben hat, dass wir ihn auch als Albumtitel verwenden. 
Musikmagazin.at: Es ist wirklich nicht einfach einen Song aus dem Album rauszunehmen und ihn als Lieblingssong zu bezeichnen, aber ... wenn ich dich frage, welche drei Songs das Album am besten repräsentieren, welche wären deiner Meinung nach geeignet?

Veronica Freeman: Hm, das ist eine schwere Frage, ... aber ich würde sagen: "Bare Bones" - weil es einen besonderen Groove hat, "Beast In The Field" und "Seasons Of Tragedy", wegen der Message darin und weil sie in verschiedene Richtungen gehen.
Musikmagazin.at: "Steel Rain", der einzige Song auf dem Album, auf welchem du die meiste Zeit über "klar" singst. Ich konnte nicht anders, als an die berühmte DORO zu denken ... und dann hab ich entdeckt, dass ihr gemeinsam auf Tour wart. Wie war das? Mit Doro "All We Are" Pesch auf Tournee zu sein?

Benedictum: Der Titel hat auf so viele Tragödien unserer Zeit gepasstVeronica Freeman: Die Doro-Tour hat viel für die Band verändert. Es war unsere erste "Tour", in dem Sinn, dass wir das erste Mal mit einem Bus einen Monat lang unterwegs waren. Es war GROSSARTIG. Sie und ihre Band haben uns wie Gold behandelt und wir haben so viel von ihnen (und auch von uns gegenseitig) gelernt. Es war ein Test, wenn du so willst: So zusammengepfercht in einem Bus zu stecken, da sieht man wirklich wie gut man miteinander auskommt. Nacht für Nacht zu spielen hat uns geholfen unsere Shows zu intensivieren und und ich frage mich, ob es je wieder so besonders sein wird. Ich werde diese Erfahrung nie vergessen!
Musikmagazin.at: Ich habe gegrinst wie ein Kind vor dem  Christbaum, als ich bemerkt habe, dass "Balls To The Wall" nicht eine Titel-Hommage an ACCEPT ist, sondern wirklich eine COVER-VERSION. Ich habe ein paar großartige Erinnerungen an diesen Song, es war einer "von diesen Songs", die mich damals dazu gebracht haben auf den Metalzug aufzuspringen. Was hat euch dazu bewogen, diesen Song zu covern (nur so am Rande: ich mag eure Version sogar noch mehr als das Original - geniale Gesangsarbeit!)?

Veronica Freeman: Und wieder: Danke dir. Deine Beschreibung, wie du dich gefühlt hast, als du das erste mal das Original von "Balls To The Wall" gehört hast, ist ziemlich genau das gleiche, wie es mir damals ging. Als der Song im Radio kam fing ich einfach Feuer und ich war so voll von Energie. Als es dann darum ging das zweite Album aufzunehmen, dachte ich mir: Wie cool wäre es, wenn das eine Frau singt?! - Also hab ich die Idee Jeff vorgeschlagen und der war von Anfang an begeistert. Am Anfang war es ein wenig hart für mich, ich habe echt ein wenig Angst davor gehabt, wie das ganze rüberkommt und wie es am Ende klingen wird, aber im Endeffekt hatten wir eine Menge Spaß damit und im Grunde genommen ging es genau darum: Spaß zu haben!
Musikmagazin.at: "Seasons Of Tragedy" ist ein Monster von einem Song. Wie lange braucht man, um so ein Teil zu schreiben?

Benedictum: Der Titel hat auf so viele Tragödien unserer Zeit gepasstVeronica Freeman: Wow, du bist aber nett zu uns (grinst breit). Für diesen Song brauchten wir eine Weile. Wir wussten, dass wir einen "epischen" Song machen wollten, deshalb haben wir ihn in Etappen geschrieben. Ich muss ehrlich sagen, dass dieser Song die meiste Gruppenarbeit beinhaltet und als wir die Songideen entwickelten kamen mir ein paar Einfälle. Als die "Seasons"-Idee aufkam waren wir dann in der Lage ihn mehr in eine bestimmte Richtung, auf einen bestimmten Stil hin zu schreiben, wenn man es so nennen mag. Es hat schon ein paar Wochen gedauert um das Teil fertigzukriegen.
Musikmagazin.at: Die letzte Frage ist eine "der üblichen": Gibt es Tourpläne? Werden sie euch nach Österreich führen? Und was steht als nächstes auf der "Wir würden gern ..."-Liste?

Veronica Freeman: Ich muss sagen, es ist im Moment ein wenig frustrierend für mich ... herumsitzen und warten, was genau unsere Pläne für 2008 sein werden ... wir würden gerne rüberkommen und für euch spielen, und wenn die Dinge so laufen, wie ich denke, dass sie es werden, dann kann man davon ausgehen! Auf meiner "wir würden gern..."-Liste steht definitiv eine "kick-ass"-tour und Tonnen von Festivals!
Musikmagazin.at: Okay, das war es soweit mit meinen Fragen. Das einzige, was zu sagen bleibt, ist: "Seasons Of Tragedy" ist ein Album, das so richtig in den Hintern tritt - wie es sich für richtigen Metal eben gehört! Danke nochmals für deine Zeit und keep on rockin!

Veronica Freeman: Oliver, dieses Interview war mir eine echte Freude. Ich danke dir sehr.

Links:


Danke an Sandra Schmid @ Undercover Promotions für die Ermöglichung des Interviews. 

Alle Fotos wurden von Veronica Freeman zur Verfügung gestellt - (many thanks to The V).