In Slumber: Die Texte sind es wert gelesen zu werdenÖsterreichische KünstlerNach Release des neuen Albums "Arcane Divine Subspecies" stellt sich IN SLUMBER-Gitarrist und Multibandspieler SIMON ÖLLER zur nachtschlafender Zeit erneut unseren Fragen.

Musikmagazin.at: "Geheimnisvolle göttliche Unterart" ist ein etwas seltsamer Name. Wie fällt einem so etwas ein? Und WEM fiel das ein? Ich nehme mal an, dass das eine Umschreibung für die „Menschheit“ sein soll, aber wenn ja, wessen Unterart sind wir dann?

Simon Öller: Wir sind mit der Zeit unsere eigene „Unterart“ geworden (ich mag das Wort nicht), ich meine, durch Medien und die schnelle gesellschaftliche und technologische Veränderung begibt sich der Mensch zwangsläufig auf Irrwege und merkt es aber kaum. Wolfgang behandelt auf „Arcane Divine Subspecies“ den Machtmissbrauch und die Aggressionen die daraus entstehen können.

Musikmagazin.at: Wie sieht’s mit dem Cover aus? Kam die Idee vom Coverkünstler oder von euch? Ich finde, das reine Weiß im Kontrast zum letzten Album sehr gut. Außerdem sticht das Album so im Kaufhaus aus den ganzen anderen dunklen „bösen“ Alben raus. Nette Idee.

Simon Öller: Danke! Die Idee zum Cover stammt von Robert, der sich glücklicherweise hier durchgesetzt hat, obwohl wir anfangs unsere Zweifel hatten, weil es eben sehr ungewöhnlich ist für eine Death Metal Band. Aber wir sind alle sehr froh über das Endergebnis, nicht zuletzt weil es so heraussticht von den anderen Covers.

Musikmagazin.at: Es fasziniert mich auf eine seltsame Art und Weise. Ich finde es auf der einen Seite sehr ästhetisch und auf der anderen sehr abstoßend. Bin ich irre, oder denkst du, dass es mehr Leuten so geht?

In Slumber: Arcane Divine SubspeciesSimon Öller: Da bist du sicher nicht der einzige, dem es so geht! Es ist zum Teil der Einfluss des genialen Fotografen Ron Morisson und zum anderen Robert’s, der seine Qualitäten ja schon mehrmals gezeigt hat! Die Bilder sollen zum Konzept und zur Musik passen, deswegen teils schön, teils abstoßend – das meinte ich auf unserer Facebookseite mit „Das lag auf der Hand, dass wir das Cover so gestaltet haben.“ Mit starken Gegensätzen beschäftigen wir uns immer schon gerne bei IN SLUMBER.

Musikmagazin.at: Wie sieht’s mit eurem neuen Bass-Spieler aus? Ein Schweizer, richtig? Wie kam der Kontakt zustande?

Simon Öller: Eine Freundin von uns - Caroline von photopit.com - sah auf Myspace, dass wir einen Basser suchen und das hat sie gleich an Kay Brem weitergesagt. Und Kay hat sich dann bei uns gemeldet, weil er schon länger auf der Suche nach einer Band wie uns war.

Musikmagazin.at: Kay spielt doch auch noch – so wie ihr alle, wenn ich mich nicht irre – in einer anderen Band. Macht das die Live-Aktivitäten so kompliziert, wie man sich das vorstellt, oder geht das eigentlich eh ganz gut? Keine Terminprobleme?

Simon Öller: Wir werden mit Terminkollisionen rechnen müssen, aber wir sind in erster Linie froh, wieder einen Bassisten gefunden zu haben, der menschlich wie musikalisch zu uns passt und obendrein noch die Band pushen kann.

Musikmagazin.at: Wie lange hat es gedauert das Album aufzunehmen? Bzw. warum hat man(n) und Frau so lange darauf warten müssen?

In Slumber: BandSimon Öller: Dafür gibt’s mehrere Gründe, zum einen hatten wir die letzten zwei Jahre viele Livegigs, dann wollten wir nur hochwertigstes Songmaterial für das neue Album verwenden, um dem letzten eins draufzusetzen. Zwischendurch begaben wir uns auf die Suche nach einem neuen Bassisten und einem neuen Label. Wenn du dir das so ansiehst waren wir eh verdammt schnell, oder?

Musikmagazin.at: Die ganzen Songs hat erneut Wolfgang geschrieben. Wieviel Freiraum haben die anderen Bandmitglieder, bzw. du, dich in die Songs einzubringen?

Simon Öller: Grundsätzlich ist IN SLUMBER das „Baby“ von Wolfgang, deswegen macht er einen Großteil der Kompositionsarbeit selbst, ich steuerte lediglich ein paar Melodien und Zwischenparts bei. Wir entwickeln uns aber immer mehr zu einer Band, wo jeder seine Einflüsse miteinbringen kann.
Musikmagazin.at: Die Texte sind auch wieder alle von Wolfgang … gibt es einen Grund warum in so gut wie jedem Song „Repent“ vorkommt? Wofür sollen wir denn noch Buße tun? Und wie kommt man auf solche Songtitel?
Simon Öller: Meine Ansicht ist diese: Die bequemen Menschen bekommen vom Fernsehen oder vom eigenen Umfeld etwas vorgelebt- was sie dann als selbstverständlich ansehen und werden somit immer kälter und steriler im Umgang mit anderen. Vielleicht sollten wir nicht so viel Tiefkühlkost zu uns nehmen?! Nein, im Ernst, das ist ein Problem dem Wolfgang zu Recht ein ganzes Album gewidmet hat. Die Texte sind es wert gelesen zu werden, und es sollte sich jeder seine Gedanken über dieses Thema machen!

Musikmagazin.at: Soweit ich weiß, bist du selbst ja neben IN SLUMBER und OLEMUS auch noch sehr aktiv. Zum einen gab’s einen zweiten Teil zum Kurzfilm „Die Suche nach dem Horizont“.

Simon Öller: Ja klar!? Also, „Die Suche nach dem Horizont II“ war ein riesen Erfolg für alle Beteiligten, weil wir einen Spielfilm in dieser Form noch nie gemacht hatten. 27 Minuten Länge hört sich nicht viel an, aber er verlangte uns fast ein Jahr lang mächtig viel ab, und er hat sich auf jeden Fall gelohnt. Er wurde von Anfang an von Menschen mit und ohne besonderen Bedürfnissen produziert, deshalb - denke ich - kann er zu Recht als Aushängeschild für Integration verwendet werden!

 

Musikmagazin.at: Zum anderen arbeitest du – oder liege ich da falsch – nebenbei mit Hr. Krammer an einem Projekt namens „Valentine’s Kiss“ … wie kam das zustande?
Simon Öller: Und „VALENTINE’S KISS“ ist für mich ein sehr spezielles Projekt das ich mit einem Freund und Arbeitskollegen gegründet habe, um unsere musikalischen Horizonte zu erweitern und auch zusammenzuführen. Klingt zwar komisch, is aber so! Unser erster Song dient auch als Soundtrack für einen Kurzfilm mit dem Titel „Der Gute-Nacht-Kuss“. Dieser Film mit Gänsehautgarantie stammt wiederum von einem gewissen Hrn. Oliver Jungwirth, der uns in Zukunft noch ein großer Begriff in Sachen Film sein wird!?


Musikmagazin.at: Gibt’s in naher Zukunft mehr von Valentine’s Kiss zu hören? Wie läuft es mit 7on’s Rastgarden?
Simon Öller: Georg und ich arbeiten stetig an neuem Songmaterial, auch meine Freundin Silvia singt teilweise mit. Also am besten von Zeit zu Zeit auf myspace.com/valentineskisss vorbeisurfen oder unseren Blog abonnieren! Mit RASTGARDEN hab ich vor Kurzem eine Nummer für eine Linz’09-Doku beigesteuert. Sie heißt wie der Film „Eisenwind“. Es geht darin um einen Zug der zwischen Linz und Peuerbach an vier Stationen hält und dort präsentieren Künstler/innen mit und ohne Behinderung Tanz- und Theaterperformances. Die Doku dürfte anfang 2010 auf dem Liwest-Kanal und auf Okto-TV zu sehen sein. Unbedingt ansehen!
Musikmagazin.at: Und außerdem gibt es noch ein Nebenprojekt namens „Leinöl“ … Volksmusik. Wie passt das alles zusammen? Böser Death-Metaller, freundlicher Volksmusiker und meditativer Gitarrist … ein kleiner Fall von Schizophrenie?
LeinölSimon Öller: „Werd ned frech do, sunst werd i agro!“ „Wer hat das gesagt?“ „Sachte sachte - Peace Alter!“ Nee das geht schon.(„A Ruh is jetzt!“) Ich arbeite an den verschiedenen Bandprojekten blockweise, z.B. in den Weihnachtsferien bringen wir mit LEINÖL – unserem Begriff von alpiner Weltmusik - viel weiter, weil das ja eine Familienband ist, wo meine zwei Brüder und meine Eltern dabei sind. Richtig regelmäßige Proben haben wir nur bei IN SLUMBER und das läuft zurzeit sehr gut für mich.
Musikmagazin.at: Wie schaut’s 2010 aus? Dürfen wir da wieder mehr von IN SLUMBER erwarten? Wird eure Zweitband OLEMUS reaktiviert (die OLEMUS-Sänger Robert betrunken wieder als „In Slumber“ vorstellt)? Soweit ich weiß, seid ihr als IN SLUMBER ja bereits im Mai auf dem METALFEST 2010 neben Größen wie NEVERMORE, TESTAMENT, LEAVES’ EYES und den Newcomern THE DEVILS BLOOD zu sehen. Vorfreude? Lampenfieber?
Simon Öller: Große Vorfreude! Lampenfieber hab i nur bei LEINÖL, haha! Spaß beiseite: Wir haben 2010 in der Tat geplant, mit dem Songwriting für ein neues OLEMUS-Album anzufangen. Wir freuen uns darauf, eine ganz neue Seite von OLEMUS zu zeigen! Die Ideen gehen aber so weit von OLEMUS weg, dass wir uns vielleicht einen neuen Namen dafür einfallen lassen müssen. Zurzeit konzentrieren wir uns auf die kommenden Gigs mit IN SLUMBER, und zwar den 23.Jänner im KIKAS Aigen, dann kommt am 6.Februar das Snowball Festival in Tirol und am 27.Februar headlinen wir das 30. Metal-Overdose im Posthof! Im Frühjahr sind wir im Gespräch für eine Europa-Tour und wie du richtig gesagt hast sind wir am Metalfest 2010 (dem ehemaligen Summernights Festival) ebenfalls vertreten!
Musikmagazin.at: Noch irgendetwas, das ich vergessen habe, du aber unbedingt unters Volk bringen willst?
Simon Öller: „Werd ned scho wieder frech do, sunst …“ *kopfschüttel* „Peace Alter…!“

Musikmagazin.at: Dann Danke für Zeit und Mühe (und das Senden des Albums). Cheers and KEEP ON ROCKIN’

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Albumtrailer "Arcane Divine Subspecies" auf YouTube: