Mono und Nikitaman Interview Im Rauch der Bengalen Fotos Konzert Gespräch Album Arena Wien 15.01.2016 Mondiali Antirazzisti Tour

Mono und Nikitamans Im Rauch der Bengalen Tour hat längst begonnen. Seit Dezember vorigen Jahres sind die beiden wieder unterwegs, mit im Gepäck: einen Haufen neuer, starker Songs und eine neue Crew. Am 15.01.2016 führte es Mono und Nikitaman auch nach Wien in die Arena. Am Nachmittag vor der Show, nahmen sich die Beiden ein wenig Zeit für mich und meine Fragen.

Musikmagazin.at: Es ist ja immer ein bisschen schwierig Künstler zu interviewen, die am laufenden Band Interviews geben. Deshalb dachte ich mir für den Anfang, dass ich uns das einfach einmal nehme. Dieses ihr bekommt ne Frage und werdet automatisch in ein Thema hineingedrängt, über das ihr jetzt reden sollt. Erzählt mir doch einfach mal, worüber ihr gerade jetzt in diesem Moment gerne sprechen würdet.

Nick (lacht): Also für mich ist es gerade sehr schön wieder unterwegs zu sein, auf Tour. Es ist ne total harmonische Crew, mit der wir unterwegs sind. Wir haben ne neue Band und ein neues Team, mit dem wir unterwegs sind im Zuge von dem aktuellen Album im Rauch der Bengalen.
Es war alles sehr spannend. Wir haben ja doch ne Pause gehabt und wir haben dann angefangen langsam wieder Songs zu machen... haben dann gemerkt: okay, wir schaffen ein Album zusammen und wollten das Ganze aber auch irgendwie auf die Bühne dann neu bringen und das ist halt auch spannend, ob das funktioniert. Wir haben uns die Band zusammen gesucht, haben das Set angefangen so in der Theorie einzustudieren und wenn's dann endlich losgeht - nach monatelangem Arbeiten, produzieren, buchen... dann endlich auf die Bühnen zu gehen, das ist extrem geil. Das hat voll funktioniert und für mich ist es voll aufgegangen. Wir bringen das grad geil auf die Bühne und das freut mich voll.

Mono: Es hat sich durch die Tour halt auch auf alle Fälle viel gelöst. Wir waren vorher schon ein bisschen angespannt. Ist halt auch ne extrem spannende Sache, sein eigenes Label zu gründen und wieder nach ner Pause zu einem Neustart zu kommen. Und jetzt merken wir einfach: es hat alles funktioniert und man hat alles richtig gemacht (lacht) und die Leute sind mit uns und die Leute waren auch wirklich ganz schön hungrig. Es ist extrem toll, was wir jetzt für Feedback kriegen - von Menschen, denen wir ziemlich aus der Seele sprechen und die sich darin wieder finden können, in unserer Musik. Das freut mich sehr.

Musikmagazin.at: Das ist sehr gut. Danke. Das eigene Label gründen. Das bringt mich gleich zu der Frage: Welche Tipps habt ihr denn für junge Künstler? Ich persönlich kenne junge Musiker, die auch gerne selbstständig arbeiten möchten, weil sie es sich nicht vorstellen können, sich in ein Plattenlabel oder sonst wo hin hineinpressen zu lassen. Und dann steht man irgendwann plötzlich vor der Frage, wie mach ich das jetzt am Besten?

Mono: Mhm, es ist auf alle Fälle ne große Herausforderung. Als erstes ist wichtig, dass man an sich selbst glaubt. Das ist eigentlich schon mal die Grundvoraussetzung, dass man davon überzeugt ist, dass das cool is.
Ganz viele Leute, die Musik machen, warten dann immer, dass jemand kommt, der einem auf die Schulter klopft und sagt: „Ja, gut is das jetzt. Wir bringen dich raus oder wir machen das für dich oder wir machen das Booking...“ Ich hab einfach die Erfahrung gemacht in unseren vierzehn Jahren: man muss auf niemanden warten. Das Booking kann man selber machen. Ja, man kann wirklich alles selber machen und bevor man jetzt noch nen Nebenjob hat, weil man sich nur die Musik nicht leisten kann, kann man auch lieber den Nebenjob dahingehend investieren, dass ich sage, ja, ich arbeite nur für mich und mach als Nebenjob das Booking und mach als Nebenjob meine Labelarbeit und so.

Nick: Also Grundsätzlich als wichtigen Tipp ist auf jeden Fall: Keine langfristigen Verpflichtungen einzugehen, wenn man sich nicht 100 Prozentig sichert und nen Topdeal hat, den man eigentlich erst bekommt, wenn man schon wirklich relevant is. Also wenn man schon Millionen Klicks hat auf youtube, dann kommt vielleicht irgendein Manager und sagt einem: "Hey, das geht ja ganz gut ab hier, wir bieten dir den besten Managerdeal..." dann sagt ihr lieber trotzdem, ne wir machen das lieber selber. Chillgrade. Also nichts langfristig abgeben. Keine Rechte an Merchandising, keine Verlagsrechte einfach unüberlegt, keine langen Verpflichtungen.
Wir kennen wirklich schon viele Kollegen in allen möglichen Genres, die auch Bekanntheit haben, die dann tatsächlich damit auch hustlen... die nicht genug haben, die nebenher arbeiten müssen... Welche, von denen man es gar nicht glaubt... einfach weil die langfristige Verpflichtungen mit Labels hatten oder mit anderen. Also wirklich genau überlegen, lieber selber machen und ein zweiter Punkt ist für mich: Viel spielen. Auch dann, klar, wenns keine Gagen gibt, spielen. Einfach überall. Jede Chance wahrnehmen sich zu zeigen, um sich halt ne Fanbase zu machen. Anders gehts ja auch nicht, ne?

Musikmagazin.at: Macht ihr das eigentlich noch? Also spielen, ohne Gage, einfach weil ihr gerade Lust habt... sich mal eben auf die Strasse zu stellen und spielen?

Mono: Das konnten wir früher machen, als wir noch irgendwo mit nem Dj oder mit Platten unterwegs waren. Da haben wir irgendeinem Dj unsere Platten in die Hand gedrückt und gesagt, so wir spielen jetzt mal. Jetzt ist es viel schwerer geworden. Wir sind mit zwölf Leuten unterwegs. Die werden alle bezahlt pro Abend.

Nick: Aber es ist ja auch nicht mehr nötig. Als wir uns quasi unser Gebiet erarbeiten mussten, also ich sprech mal vom deutschsprachigen Raum, Deutschland, Österreich - da haben wir das gemacht auf allen möglichen Soundsystemshows… Ich sag mal, wenn wir jetzt mit nem englischsprachigen Album versuchen müssten, nach England zu kommen, dann muss man natürlich wieder von unten anfangen, aber wir haben jetzt die Tour. Wir spielen von Kiel bis Wien und alles was dazwischen ist und es funktioniert wunderbar. Toi toi toi und wir sind in der glücklichen Position, wo wir uns jetzt grade da nicht mehr Fans erarbeiten müssen auf kleinen Shows.

Musikmagazin.at: Wie sieht es denn mit Festivals aus? Werdet ihr heuer wieder auf welchen vertreten sein?

Mono lacht: Oh ja, es gibt sehr viele. Es sind grad sehr viele gebucht! Wir sind auch auf einigen in Österreich. Wir sind zum Beispiel am Nova Rock. Es gibt Festivals, die wir noch nicht ankündigen dürfen. Es gibt auch in Linz Festivals, auf denen werden wir sein und in Kärnten.

Nick: Auf jeden Fall checkt das aus auf unserer Homepage. Wir sagen Bescheid.

Alle lachen.

Mono: Ja, wir müssen das alles erst online stellen. Ich hab jetzt gedacht, zuerst machen wir mal die Tour und dann stellen wir das alles rein.

Musikmagazin.at: Na, aber das sind ja schon mal paar Infos. Gut, etwas anderes.
Ihr habt ja in euren Songs immer sehr viel zu sagen, was mich auch besonders begeistert. Ich finde es sehr wichtig, dass es Musiker gibt, die Dinge aussprechen, die eben nicht jeder ausspricht. Das macht euch sehr wertvoll. Es würde mich interessieren, wie ihr euch die Welt in fünf oder zehn Jahren vorstellt? Was glaubt ihr, wie die Welt aussehen wird?

Mono: Also ich MUSS positiv denken, sonst würde ich depressiv werden. Deshalb glaube ich und hoffe ich vor allem, dass alles gut ist.

Nick: Es ist schwer zu sagen. Man kann nicht in die Zukunft gucken. Aber es wird halt immer überraschende Herausforderungen geben, die man nicht kommen sieht oder die ein Großteil der Menschen nicht kommen sehen - an denen sich dann verschiedene Kräfte aufwiegeln, an denen es viel Zankerei und Streit gibt und viel Konfliktpotential und ich glaub allerdings auch, so global betrachtet, ist das alles für den Menschen eine große Chance sich da zu reiben, sich mit diesen extremen Meinungen auseinander zu setzen und wirklich gesamtgesellschaftlich irgendwie dann doch in ne positive Richtung zu gehen. Also, wie in dem Song Mensch auf unserem aktuellen Album. Wir glauben an den Menschen! Es wäre, wie Mono sagt, ich könnte nicht leben, wenn ich nicht dran glauben würde, dass alles gut wird. (lacht) So, für mich ist das ganz klar die Richtung. Ich glaub an das Positive. Ja, das verarbeiten wir auch in unseren Songs.

Musikmagazin.at: Ja, das stimmt. Das schwingt eh immer sehr mit in euren Songs. Ich find das ja auch sehr wichtig.

Mono: Ja, definitiv. Ich glaub das spricht auch vielen aus der Seele. Dieses, so ich bin nicht allein oder da gibts Leute, die so ähnlich denken, wie ich oder es ist nicht alles so schlimm… Es gibt einfach viele Songs, wo uns Menschen dann sagen - wow, das hat mir aus der schweren Phase geholfen - und das sind voll schöne Komplimente.

Musikmagazin.at: Mhm, kann ich verstehen. Was gibt euch eigentlich den Halt für diese positive Einstellung in einer Welt wie dieser? Woran haltet ihr euch fest?

Mono: Die Liebe. Die Liebe ist das Größte. Das kann auch die Liebe zu Kunst sein, Liebe zu schönen Dingen, Liebe zur Musik. Die Liebe ist das, was das Leben lebenswert macht und uns den Alltag kultiviert.

Nick (denkt eine Weile nach): Schon auch Menschen. Also für mich würd ich sagen: Menschen. Die Menschen machen die Welt schlecht, aber die Menschen machen die Welt auch extrem lebenswert und liebenswert. Ohne das wär's nicht meins. Ich bin jetzt nicht der Eremit, der sich in die Natur zurückzieht und sagt, ja macht ihr mal. Sondern ich umgeb mich gerne mit meinen Lieben.

Musikmagazin.at: Also du bist schon ein Mensch, der sich unter vielen Menschen wohlfühlt?

Nick: Also, das müssen nicht viele sein. Aber so die Intensität. Mit guten Freunden Zeit irgendwie zu verbringen, mit Menschen Zeit zu verbringen, das gibt mir halt viel Kraft, ja.

Musikmagazin.at: Verstehe. Erzählt mal, wie entstehen eigentlich eure Songs? Entspringen sie alle einer Eingebung, diesem Moment, wo man den Song „einfach“ im Kopf hat oder gibt es schon auch solche Phasen, wo man sich hinsetzt und denkt, so über diese Thematik würde ich jetzt gerne einen Song schreiben und dafür lass ich mir jetzt was einfallen?

Mono: Mhm, das sind natürlich die schwierigeren Songs. Das gibt's auch, dass man sich hinsetzt und sagt, jetzt muss ein Song darüber geschrieben werden. Aber die, wo man so Eingebungen hat und sagt - boah das wär ein schöner Song, das wär ein gutes Konzept, da könnt ma drüber schreiben - die kommen manchmal am Klo oder beim Fahrrad fahren oder wenn man andere Musik hört oder sich nen Film anguckt, der einen inspiriert, oder Kunst sieht... Alles was inspirierend ist, kann einem auch zum Song schreiben inspirieren.

Nick: Also die Ideen kommen schon sehr spontan. Allerdings um wirklich nen Song draus zu machen, das ist tatsächlich einfach Arbeit. Man muss sich wirklich jeden Tag hinsetzen. Ich hab's am Anfang mal probiert auch zu sagen - wenn mir ne Idee kommt, ich kann ja egal wo ich bin, einfach schreiben - aber da hab ich dann auch schon nen Sommer mit rum gekriegt irgendwo am Baggersee und dann nichts geschrieben. (lacht) Also, wenn ich nen Song schreiben will, ich muss mich schon hinsetzen und dann passiert vielleicht auch mal drei Tage nichts oder ich hab irgendeinen Blödsinn geschrieben... also ja, es ist schon Arbeit. Ich muss mich hinsetzen und dann kann eben auch überhaupt irgendwas passieren.

Musikmagazin.at an Mono gerichtet: Mir ist aufgefallen du erwähnst sehr oft Kunst. Welche Art der Kunst inspiriert dich persönlich denn sehr?

Mono: Kunst, die was zu sagen hat. Künstler, wo man ne Message durchlesen kann und die eher unerwartet ist. Sachen, die unerwartet sind, einem aus dem Alltag reissen.

Musikmagazin.at: Also quer durch die Bank, Hauptsache es fällt auf.

Mono lachend: Genau.

Musikmagazin.at: Interessant, danke. Kommen wir noch kurz zu Im Rauch der Bengalen. Mich würde ja schon sehr interessieren, wie ihr zu dem Albumnamen gekommen seid. Wie ist der entstanden? Hat das mit den Bengalen zu tun?

Mono: Ja wir haben ja diese Songzeile…

Nick: Bengalos. Eigentlich hat es damit angefangen: Wir haben auf einer Antifaschistischen Fussball WM gespielt. Mondiali Antirazzisti in Italien. Und da kommen ja von überall aus Europa oder aus der Welt die Fussballteams zusammen, die antirassistisch sind und spielen halt auf dieser Fussball WM. Und da haben wir auch gespielt - ein großes Konzert gegeben. Da hatten die Fans draußen alle so ihre Bengalos mit, also diese bengalischen Handfackeln. Das war einfach ne extrem geile Stimmung!

Mono leicht lächelnd, etwas verträumt: Das war vor 10 Jahren oder so.

Nick: Ja oder länger. Das war wunderbar. Wir haben angefangen das auf unseren Konzerten mitzunehmen. Haben dann auf den Festivals immer Bengalen abgefackelt und dann haben wir auch irgendwann diesen Song geschrieben, wo's halt auch heißt: Wir sind zurück im Rauch der Bengalen. Ja.

Musikmagazin.at: Und das spiegelt sich nun halt auch hier wieder.

Nick lachend: Genau so ist es.

Musikmagazin.at: Gut okay, dann sag ich jetzt mal danke für die Zeit, die ihr euch genommen habt und lass euch noch ein wenig Zeit für euch bevor es losgeht. Wir freuen uns ja schon sehr auf die Show. Ihr bringt immer so ein Stückchen Sommer mit. Eure Konzerte wärmen sehr, vor allem im Winter. Danke.

Mono & Nick lachend: Das freut uns natürlich sehr. Danke auch.

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