Billy Sherwood: Citizen

Als Mitglied der Supertruppe YES dürfte Billy Sherwood wohl allen/vielen ein Begriff sein. Wer ihn nicht kennt, der kennt auch YES nicht und offen gesprochen ist das (zumindest wenn man sich selbst als Rock N Roll-Fan bezeichnet) eine (nicht ganz so) kleine Kulturlücke. Mit „Citizen“ veröffentlicht er ein astreines Konzeptalbum.

Die immer wiederkehrende Seele

Das Konzept hinter „Citizen“ ist eigentlich relativ simpel und klingt ein bisschen nach Arjen „Ayreon“ Lucassens „The Dream Sequenzer“ – eine Seele reinkarniert immer wieder und wieder und durchlebt viele zeitliche Epochen der menschlichen Geschichte und er ist bei vielen wichtigen Ereignissen dabei. So ist er in der römischen Armee, ein guter Freund von Galileo, begleitet Darwin als dieser seine Theorie der Evolution aufstellt, springt von einem Bürokomplex während des Börsencrashes und der großen Depression und vieles weitere.

Das Konzept ist, wie gesagt, nicht neu, aber immer wieder interessant, zumal sich durch die diversen Epochen natürlich auch verschiedene Musikstile einbringen lassen, die dennoch den selbst gesteckten Rahmen von Rockmusik nicht sprengen. Zumindest in der Theorie.

Die Zeiten ändern sich und bleiben gleich

Denn so interessant die Prog-Rock-Platte streckenweise ist und so gut der Titeltrack und Opener des Albums ins Ohr geht („Citizen“), so sehr gleicht der Rest des Materials sich bis zu einem gewissen Grad. Was an sich auch nicht weiter schlimm ist, denn immerhin hat jede Band ihre Kennzeichen, Melodieführungen und andere Trademarks.

Bei „Citizien“ kam bei mir aber leider relativ rasch Langeweile auf, weil die Nummern nicht nur ziemlich unspektakulär vor sich hin plätschern, sondern auch keine wirklichen Emotionen bei mir ankommen, als eine reine Erzählstruktur. Ob jetzt über den Sprung vom Haus („The Great Depression“) oder ein gemeinsames Gespräch mit Galileo gesungen wird („Just Galileo And Me“) macht emotional absolut keinen Unterschied.

Wenn ein Album weniger ist als die Summe der Teile

Mein Problem mit dem Album ist die Tatsache, dass mein Kopf weiß, dass die einzelnen Nummer wirklich gut sind – sicher, es sind keine eingängigen Gassenhauer, die man tagelang vor sich hinpfeift, aber sie sind ohne Frage gut. Mehr AOR als Prog-Rock, aber das ist ja auch nicht per se schlecht.

Allerdings – und ja, das ist schade – ist es schwer das Album von Anfang bis Ende durchzuhören, weil es einfach, wie bereits gesagt, nach einer Weile langweilig wird. Schade – das Konzept hätte mehr Freiheit gegeben, als sich Hr. Sherwood zugestanden hat, denn die einzelnen Epochen merkt man nur den Texten, nicht aber der Musik an. Wem „No Man’s Land“ (siehe unten) gefällt kann ohne Bedenken zugreifen, denn das ganze Album klingt ähnlich.

Mein persönliches Fazit

Spannendes Konzept, eher mittelmäßig umgesetzt. Sehr, sehr schade. Da wäre weit mehr drin gewesen. So gern ich mir einzelne Nummern („No Man’s Land“) immer mal wieder zwischendurch anhöre, so wenig würde ich mir „Citizen“ am Stück anhören.

Erscheinungsdatum: 06. November 2015

"Citizen" gibt es als reguläre CD oder auch als MP3-Download.

Tracklist:

  1. The Citizen
  2. Man And The Machine
  3. Just Galileo And Me
  4. No Mans Land
  5. The Great Depression
  6. Empire
  7. Age Of The Atom
  8. Trail Of Tears
  9. Escape Velocity
  10. A Theory All It’s Own
  11. Written In The Centuries

Video zu „No Man’s Land“:

 

 

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