Das Napalm Quintett: ... dos di da Teifi hoit!

Es ist ein Reflex. Ich muss das ganz offen zugeben. Wenn ich Volksmusik höre, dann denke ich automatisch an Schlager. Und Schlager sind mir ein Graus. Alle so genannten heiligen Zeiten kommt allerdings dann eine Band, die Instrumente aus der Volksmusik (Akkordeon zB) einsetzt und damit richtig abrockt. Hallo, Napalm Quintett!

Mundart trifft Akkordeon trifft E-Gitarren

Weil wir gerade beim Zugeben sind: Ich kenne die Band, ich kenne die Bandmitglieder und ich kenne den Großteil ihrer Nummern, war schon auf x Konzerten und – ja, auch das muss ich offen zugeben – ein Teil des Soundtrack zu meinem letzten Film „Müll – der (einzig wahre) Trashfilm“ stammt auch von der Band. Das Titellied („Dreck“) haben sie sogar extra geschrieben und – was soll ich sagen: Die Jungs und die Dame rocken!

Dass ein Akkordeon Musik bereichern kann weiß man ja nicht erst seit STYX „Boat On The River“, wenn aber dann noch ziemlich coole Texte, eine saubere Produktion und eine Menge hörbarer Spaß an der Sache mit einer guten (oder mehreren guten) Message verknüpft wird, dann kann eigentlich am Ende nur eines stehen: Begeisterung.

Eine lange Reise bis „... dos di da Teifi hoit!“

Das erste Mal wurden Gerüchte über ein Album laut, da drehten wir gerade „Müll“ – das war 2012. Selbst im Abspann vom Film steht drin: Kauft euch ihr Album „... dos di da Teifi hoit!“. Nur gab es das damals noch nicht. Die Band war gerade durch einen Sängerwechsel ein wenig von der Rolle, hatte sich aber rasch wieder Griff, nahm dann an diversen Wettbewerben teil und der Song „Dreck“ kam sogar beim Alternative Song Contest verdammt weit nach vorne – gut so! Zurecht.

Dann kam es erneut zum Wegfall der Stimme – bis mit Silvyeah ein neue Sängerin gefunden wurde. Und jetzt ist das Album da und – es funktioniert sehr gut. Allerdings muss ich anmerken: „Das Napalm Quintett“ ist eine Live-Band. Definitiv. Die Gitarren fetzen, das Akkordeon melodiert dahin und über allem die (manchmal in den Gitarren ein wenig untergehende) Stimme von Silvyeah. Das stimmt auch für die CD, trifft aber vor allem auf die Live-Auftritte zu!

Damit dich der Teufel holt!

Zugegeben, das Album beginnt mit einer der (textlich wie musikalisch) stärksten Nummern („Sicherheit“ – „Nua waun olle gleich gschoit san, dann hamma endlich unsa Zü. So wia des mit eich glaufn is do woar des eh a Kinderspü“), da kann es dann ja auch nur noch bergab gehen, sollte man meinen. Dem ist aber nicht so, denn auch „Sie“, „Vun Vetrni noch Most“, das Liebeslied „Hauptgewinn“, mein Drüber-Hit „Dreck“ und auch das verdammt kultige (geht extrem gut ins Ohr) „Nochtschottn“ sind schon mal klare Gewinner.

Die langsameren Nummern („Nochtschottn“ ausgenommen, die Breaks! Die Soli!) sind nicht ganz so beeindruckend und nehmen auch ordentlich Tempo raus. „Einkaufswahn“, „Gott los!“ (Gesang: Stief N) und „Geht’s nu?“ (Stimme: Micha L) sind in erster Linie auf guten Text hin ausgerichtet – und der punktet auch treffsicher. Musikalisch plätschert zB „Einkaufswahn“ dann doch eher ohne Höhepunkt dahin.

Und der Rausschmeißer „Geht’s nu?“ ja quasi ein Stielbruch allererster Güte. Aber genau das ist es ja, was man an der Band so mag. Man kriegt vielleicht nicht unbedingt was man will, aber man kriegt was man verdient.

Mein persönliches Fazit

In Summe ein absolut beeindruckendes Debut-Album, lange in der Mache und nun endlich erhältlich. Ich kann nur allen Fans von Mundart-Rock, die nicht auf durchgebügelte Musik stehen (wie sie Krautschädl mittlerweile leider machen), raten hier zuzugreifen.

Erscheinungsdatum: 16. April 2016

Das Album ist direkt über die Band (siehe Homepage oder Facebook-Seite) erhältlich.

Tracklist:

  1. Sicherheit
  2. Des Morgn is jetzt
  3. Sie
  4. Dreck
  5. Hauptgewinn
  6. Vun Vetrni noch Most
  7. Nochtschottn
  8. Einkaufswahn
  9. Gott los!
  10. Geht’s nu?

Video zu „Sicherheit (live)“:

 

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