Letzte Instanz: Liebe im Krieg

Nachdem die Trilogie „SchuldigHeiligEwig“ abgeschlossen wurde, das 15jährige Jubiläum gefeiert und mit „Im Auge des Sturms“ ein raues (und dennoch irgendwie verkehrsberuhigtes) Album veröffentlicht wurde, rastet sich das Sextett LETZTE INSTANZ nicht aus, sondern veröffentlicht 2016 das nächste Werk: „Liebe im Krieg“.

Zurück zur Melancholie

Was gleich im Opener und Titelsong „Liebe im Krieg“ auffällt, ist die Ähnlichkeit, welches das Stück zu anderen Nummern aus Zeiten der Trilogie ausstrahlt. Rockig, auf den Punkt gebracht und ein ziemlicher Ohrwurm, der auch textlich mehr als erfreut (Auch wenn eine Bekannte von mir einen Anfall kriegen wird, weil Holly „macht das alles Sinn“ anstatt „ergibt das alles Sinn“ singt, aber gut - Hallo, Clausi!).

Das Schöne an „Liebe im Krieg“ ist nämlich die Rückkehr der zelebrierten Melancholie. Mit Melancholie meine ich Themen, wie Tod, Verlust, Liebe, Hoffnung und Trennung. Mit zelebriert meine ich teilweise am (Düster-)Kitsch vorbeischrammende Nummern wie „Reise“ oder „Weiß wie der Schnee“, die dennoch oder gerade deswegen genau ins Herz treffen.

Wenn du aus deiner eigenen Kraft ...

Die Reihung der Stücke hat dem Album verdammt gut getan, denn nach dem grandiosen „Liebe im Krieg“ schickt die Band das gemeine und die Stimmung absolut auf den Punkt bringende „Tränen aus Stein“ hinterher. Eine Nummer, welche den Text musikalisch perfekt vermittelt. „Steh auf!“ dämpft die Euphorie ob einer sperrigen Bridge ein wenig, dafür reißt der Text alles wieder ins Positive. „Tageslicht“ wird die Emos beglücken, aber auch wenn man keiner ist, wird man sich an den Melodien erfreuen können und das poppig angehauchte „Wir sind eins“ ist ohnehin der perfekte Liebessong, der das Idealbild von Liebe oder „Verliebt sein“ so treffend beschreibt wie schon lange kein Lied mehr. Das ist mal ein Fünfer-Opening, das nicht jede Band zustande bringen würde. Hut ab.

... die Würde wahrst, nicht untergehst ...

In der zweiten Hälfte des Albums geht es ein wenig ruhiger und düsterer zu, passend zum Albumtitel. Verlust, Tod, Trauer, Trennung. „Reise“, „Weiß wie der Schnee“, „Unsere Tage“ sowie „Weite Welt“ sind Traurigkeit und Abschied mit einem gewissen Maß an aufrecht erhaltener Würde in Reinkultur. „Ich werde vor dir untergehen“ hinkt Silben-technisch bei den Strophen ein wenig holprig hinterher, aber nach ein paar Mal hören ist die Sache stimmig und der Refrain macht alles wieder gut. „Das Gerücht“ ist der übliche „nicht ganz so wie die restlichen Songs, aber immer noch Instanz“-Titel, der auf jedem Album zu finden ist, und der dieses Mal plakativ-zynisch unsere gerade weit verbreitete Sündenbock-Kultur überspitzt (oder besser: treffend) thematisiert.

... dann weiß ich wieder einmal wer du bist

Musikalisch klar zurück zu den Zeiten der Trilogie. Der raue (aber auch etwas sperrige und teilweise uninspirierte) Ton von „Im Auge des Sturms“ ist Vergangenheit, was ich sehr toll finde. Muss nicht jeder mögen, aber für mich ist „Liebe im Krieg“ klar eine Mini-Comeback nach dem (wieder: In meinen Ohren) Durchhänger vom letzten Album, das für mich auch textlich ein wenig zu holprig war.

Mein persönliches Fazit

Es zeigt sich wieder einmal: Die Erwartungshaltung macht es aus. Die war bei mir eher niedrig, aber „Liebe im Krieg“ hat mich vom ersten Ton an umgehauen und mitgenommen auf eine Reise, die ich nach dem Ende des Albums sofort (mehrmals) neu angetreten habe. Hier stimmt (fast) alles und kleine Makel machen wahre Schönheit ja erst so richtig perfekt (sagt man zumindest). Dass die zweite Hälfte des Albums mit der ersten nicht ganz mithalten kann sei Angesichts der hohen Qualität des Einstiegs verziehen. Wer nach den ersten Nummern von "Liebe im Krieg" keine Freudentränen in den Augen hat, dem/der kann ich auch nicht helfen. Letzte Instanz: Ich ziehe meinen Hut vor euch. „Liebe im Krieg“ wird mich mit Sicherheit die nächsten Jahre(!) begleiten.

Erscheinungsdatum: 12. August 2016

PS: Ich freu mich auf das Konzert am 5.11. in der Szene in Wien!

"Liebe im Krieg" ist als reguläre CD und als MP3-Download erhältlich.

Tracklist:

  1. Liebe im Krieg
  2. Tränen aus Stein
  3. Steh auf!
  4. Tageslicht
  5. Wir sind eins
  6. Reise
  7. Weiß wie der Schnee
  8. Das Gerücht
  9. Blutmond
  10. Unsere Tage
  11. Ich werde vor dir untergehen
  12. Weite Welt

Lyric-Video zu „Liebe im Krieg“:

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