Nightwish: ImaginaerumDas zweite Album mit Sängerin Anette Olzon namens "Imaginaerum" steht in den Läden und wurde mit nicht geringer Spannung erwartet. Und? Ist es gut geworden?

Das hängt auch dieses Mal definitiv davon ab, was der/die Hörer sich erwarten. Zum einen wird es sicher - so wie das letzte Mal - viel Blabla darum geben, ob jetzt nicht vielleicht doch Tarja die bessere Sängerin war und so weiter, aber Leute, werdet erwachsen: Das ist NIGHTWISH, das ist Tuomas - wer singt ist im Grunde genommen zweitrangig, solange sie ihren Job gut macht.

Und das Anette eine verdammt gute Sängerin ist, steht außer Frage. Sie ist nur keine Opernsängerin, sondern Rocksängerin. Was meiner Meinung nach beim letzten Nightwish-Album "Dark Passion Play" ein wenig daneben ging, war die Kombination zwischen der pompösen, opernhaften Musik und der Stimme von Anette. Dieses Mal ist der Mann hinter der Musik ein wenig bedachter vorgegangen und hat einen großen Teil auf Anette zugeschnitten - und das Ergebnis ist weit mehr Nightwish als es das Vorgängeralbum war. Die Zutaten, die NIGHTWISH ausmachen, sind allesamt vorhanden und wurden streckenweise sogar ausgebaut - das Pompöse, das Rockige, die Melancholie - alles wieder da und - was am Wichtigsten ist - weit besser im Gesamtbild als es "Dark Passion Play" war.

Nightwish: Band 2011Am besten kommen NIGHTWISH 2011 emotional rüber, wenn die Truppe den Fuß vom Gaspedal nimmt und sich Zeit lässt, um verspielt zu sein, wie bei "Turn Loose The Mermaids" oder "The Crow, The Owl and The Dove", da zeigt Anette auch, wie gut sie singen kann. Bei den härteren Nummern ist es teilweise notwendig, dass ihre Stimme "gestapelt/gedoppelt" wird, was heutzutage allerdings nicht weiter schlimm sein kann, schließlich werden BLIND GUARDIAN regelmäßig dafür bejubelt, dann darf/kann/muss man das auch NIGHTWISH zugestehen.

Vor allem ist das Songmaterial auf "Imaginaerum" einfach über weite Strecken besser als beim Vorgänger. Die doofen Seitenhiebe auf ehemalige Bandmitglieder"innen" sind vorbei, die Texte wieder auf "Fantasy" getrimmt und das ist gut so. Der einzige Song, der für mich trotz mehrmaligem Hören einfach nicht funktioniert ist "Scaretale", alle anderen sind zumindest amtliche Rocker. Wirklich außergewöhnlich sind allerdings auch nur drei Songs, namentlich die bereits erwähnten "The Crow, The Owl And The Dove" (poppige, schöne, für NIGHTWISH-Verhältnisse sehr kommerzielle Ballade), das sehr stark an Loreena McKennit angelehnte "Turn Loose The Mermaids" (besser gut kopiert als schlecht erfunden) und das wirklich coole "I Want My Tears Back" (irisch/arabisch angehauchter Rocker, der ähnlich treibt wie "I Wish I Had An Angel" vom "Once"-Album).

nightwish-band-2011.jpgDas "Imaginaerum" der Soundtrack zu einem Film ist, der auch bald kommen wird, merkt man dem Album allerdings zu keiner Sekunde an, da so etwas wie "Storyfeeling" keineswegs aufkommt, aber darum ging es - vermutlich - wohl auch nicht. Die überlange Nummer "Song Of Myself" (quasi das "Ghost Love Score" des Albums) sollte erwartungsgemäß das große Finale sein, enttäuscht aber angesichts der Tatsache, dass die Abwechslung für 13 Minuten einfach zu kurz kommt und noch dazu ein riesiger Teil nur gesprochene Worte und Soundcollagen enthält. So cool die Texte sind, so wenig spannend ist das Teil als "Lied".

Auch die anderen Nummern, die ich noch nicht erwähnt habe, sind zwar nicht schlecht, aber eben auch nichts Besonderes - insbesondere für NIGHTWISH-Verhältnisse nur nette Durchschnittsrocker, dazu hat sich die Band die Latte mit Alben wie "Century Child" oder "Once" selbst zu hoch gelegt - und ich meine die Songs(!), nicht den Gesang(!) - und die Riffgewitter bieten dann dennoch großteils einfach Standardkost.

Fazit: Ein Album das seinen Vorgänger auf alle Fälle übertrifft und so gut wie keine Füllsongs beinhaltet, allerdings auch nur wenige richtig ergreifende Songs. Ein gutes Album einer an sich starken Band. Man/Frau darf auf den Film gespannt sein.

Erscheinungsdatum: 2. Dezember 2011

Tracklist:

  1. Nightwish: ImaginaerumTaikatalvi
  2. Storytime
  3. Ghost River
  4. Slow, Love, Slow
  5. I Want My Tears Back
  6. Scaretale
  7. Arabesque
  8. Turn Loose The Mermaids
  9. Rest Calm
  10. The Crow, The Owl And The Dove
  11. Last Ride Of The Day
  12. Song Of Myself
  13. Imaginaerum

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Video zu "Storytime" auf YouTube: