The Receiver: All Burn

In den Vereinigten Staaten ist das dritte Album von THE RECEIVER bereits im Juni 2015 erschienen, während es erst im Jänner 2016 nach Europa kam. „All Burn“ ist ein atmosphärisches Werk geworden – Betonung auf „sphärisch“.

Mein Freund der Synthesizer

Synthies können Musik ziemlich positiv beeinflussen und Menschen mit tollem Gespür für Melodien haben damit bereits wahre Wunder vollbracht (wieder einmal: Arjen „Ayreon“ Lucassen), während andere damit eigentlich nur nerviges Zeug produziert haben. Manchmal weben Menschen damit Klangteppiche, welche als primäres Ziel wohl das Einschläfern der HörerInnen als Ziel haben (ich erinnere mich mit Schrecken an die über 120 Minuten Schulze und Gerrard namens „Farscape“).

Zum Glück können die Brüder Cooper aus Ohio damit besser umgehen. Wohl auch deshalb, weil sie sich (wie Arjen) nicht auf die Klangfarben des Synthie verlassen, sondern darum Musik stricken und auch wenn der Gesang von Casey (Bass, Gesang, Synthies) der die Nummern auch alle geschrieben hat) und Jesse (Schlagzeug, Gesang) sicher nicht den Geschmack von allen trifft, so passt er dennoch perfekt zur Musik.

Die Instrumente rundherum

Die Basslinien und das Schlagzeug der beiden schafft zum Glück genug Rhythmus, damit sich die durch Synthies erzeugten Klangteppiche nicht im Nirgendwo verlieren und auch der Einsatz von Klavier lockert das ganze Album immer wieder auf. Man merkt "All Burn" zu keiner Sekunde an, dass es von nur zwei Personen (eben Casey und Jesse Cooper, zwei Brüder aus Ohio) aufgenommen und im Alleingang produziert wurde.

Auch wenn man die Komplexität der Nummern niemals auf einem ähnlichen hohen Niveau ist, so kamen mir doch immer wieder Vergleiche mit Pink Floyd in den Sinn, allerdings nicht zu Zeiten von „Piper At The Gates of Dawn“ sondern eher zu „the final cut“. Ruhig, entspannt, zwischendurch (für kurze Augenblicke) aufwühlend und in Summe einfach ein Album das einen ganzen Durchlauf mit Wohlgefühl belohnt. Einlegen, von A bis Z anhören und entspannen.

Emotionen im Nebel der Zeit

Das Cover passt auch hier wieder einmal perfekt – das Album fühlt sich an wie ein Spaziergang durch einen Wald, der im Nebel liegt, die Gedanken gefangen in der Vergangenheit, verfolgt von Geistern an die man sich mit Melancholie erinnert und vor denen man sich in aller Stille verabschiedet um Frieden zu finden – aber nicht ohne sich und der Welt noch ein paar Fragen zu stellen. Und was mit „Drift“ beginnt endet zirkulär mit „These Days“ ... „I am sorry if I am not who I should be these days“.

Mein persönliches Fazit

„All Burn“ klingt wie eine Mischung aus Pink Floyd und Katatonia (ohne heavy Gitarren) gewürzt mit Synthiesoundteppichen. Was im ersten Moment komisch klingt passt perfekt zusammen und Jesse und Casey Cooper haben ein wirklich schönes, sphärisches und melancholisches Album geschaffen. Ich könnte jetzt kein Hightlight hervorheben, denn "All Burn" ist eine Reise, die man nicht bruchstückhaft oder etappenweise angeht, sondern auf die man sich in Summe einlässt. Wundervoll.

Erscheinungsdatum: 15. Jänner 2016

Das Album ist als MP3-Download, als reguläre CD und auch auf Vinyl erhältlich.

Tracklist:

  1. Drift
  2. Transit
  3. To Battle An Island
  4. Collector
  5. Dark Matter
  6. April Blades
  7. The Summit
  8. Let It Dry
  9. All Burn
  10. How To Be Young
  11. These Days

Video zu „To Battle An Island“:

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