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Nine Inch Nails (NIN) am 14.06.2005 in der Arena Wien Drucken E-Mail
Geschrieben von Jürgen Zahrl   
Dienstag, 14. Juni 2005

Nine Inch Nails Schmerzensschreie und Unmengen spritzendes Blut sind - unter vielen anderen - zwei der Assoziationen, die ich mit dem Namen Nine Inch Nails verbinde.

Grund dafür ist eine gewisse Faszination, die ein Egoshooter namens QUAKE (Teil 1) vor einer scheinbaren Ewigkeit auf mich ausübte. In eben diesem PC-Game hatten Nine Inch Nails nicht nur einen akustischen Auftritt, indem sie für den überaus gelungenen Soundtrack verantwortlich zeichneten, sondern wurden auch visuell dadurch verewigt, dass Munitionskisten die Aufschrift NIN (in Form des Bandlogos) trugen und so dezent der Inhalt verraten wurde. Nine Inch Nails - With TeethDie Geschoße bohrten sich schließlich auf ähnliche Weise in die virtuellen Gegner, wie der NIN-Sound in mein Trommelfell.

Glücklicherweise nicht ganz so brutal wie besagtes Spiel ging der Auftritt am 14. Juni 2005 in der Wiener Sommerarena (sprich 'Open Air') über die Bühne. Obwohl an akustischer Munition nicht gespart wurde, beschränkte sich die Anzahl der Verletzten oder Getöteten auf mehrere Gitarren und Mikrofonständer. Michael Trent Reznor in voller Fahrt beglückte das Publikum mit den Einzelteilen der Bühneneinrichtung. Auch das Mikro selbst fand kurzfristig seinen Weg zu den Fans, was eine Kreischeinlage über das Soundsystem der Arena zur Folge hatte. Mein persönlicher Dank gilt hier dem Techniker mit dem schnellen Finger, der dem sofort ein Ende machte.

Reznor - nach eigenen Aussagen austherapiert und damit Nine Inch Nails - With Teethseit einiger Zeit clean - beeindruckte nicht nur musikalisch, sondern auch mit seinem Erscheinungsbild. Muskelbepackt auf den Spuren von Peter Steel (Type O Negative) und Henry Rollins wandelnd, bot er zwar ein visuell grundsätzlich ansprechendes Bild, wollte sich aber mit seinem abgerissenen Shirt und den kurzen Jeans nicht so richtig ins Gesamterscheinungsbild der Band einordnen. 'Hurt' beispielsweise (von ihm solo auf dem Keyboard dargeboten und musikalisch großartig) bot optisch ein etwas bizarres Bild, da diese gefühlvolle Ballade so gar nicht zu dem aufgepumpten Reznor passen wollte.

Drogenentzug, gesunde Ernährung und Sport - das neue, nüchterne Image eines ehemals depressiven und melancholischen Konsumenten bewusstseinserweiternder Substanzen im besten Alter von 40 Jahren (geboren am 17. Mai 1965) stand hier streckenweise im Kontrast zu Werken, die noch eine deutlich andere Sprache sprechen. Glücklicherweise hatte das aber keine Auswirkung auf die Qualität der Darbietung. Ganz im Gegenteil, denn sound- und showtechnisch gab es kaum etwas auszusetzen. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang sind auch die großartigen Effekte der Lichtsäulen, welche deutlich sichtbar an der Bühnenrückwand platziert, passend und keineswegs protzig die Songs untermalten. Ein Genuss für Auge und Ohr also. Zusätzlich tat die angenehme Wettersituation (ein lauschiger Abend mit sommerlichen Temperaturen und leichtem Wind) das Übrige, um eine Wohlfühl-Atmosphäre zu schaffen, in der man das Konzert perfekt genießen konnte.

Nine Inch Nails Ein Abend mit rund 90 Minuten Spielzeit, die wie im Flug vergingen und nach denen Trent Reznor die Fans mit einem fast abrupten Ende ohne merklich abgegrenzte Zugabe zurück ließ. Das Gefühl, als die Lichter angingen und die Hoffnung zerstörten, dass es endlos so weitergehen würde, wich schließlich der Freude, ein großartiges Konzert miterlebt zu haben.

Beinahe sadistisch die Anmerkung, dass es sich dabei um den einzigen Österreich-Termin der aktuellen Tour gehandelt hatte, welcher innerhalb weniger Stunden restlos ausverkauft war. Trost bietet das aktuelle Album "With Teeth", welches seit Anfang Mai im Handel erhältlich ist.

Die inoffizielle und unbestätigte Playlist des Abends:

  1. Pinion
  2. The Frail
  3. The Wretched
  4. Wish
  5. Sin
  6. The Line Begins To Blur
  7. March Of The Pigs
  8. Something I Can Never Have
  9. Hand That Feeds
  10. Terrible Lie
  11. Closer
  12. Love Is Not Enough
  13. Home
  14. Burn
  15. Underneath The Skin
  16. You Know What You Are?
  17. Suck
  18. Gave Up
  19. Hurt
  20. Dead Souls
  21. Starfuckers Inc.
  22. Head Like A Hole

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