Nova Rock von 14. bis 17. Juni 2017 in Nickelsdorf

Vier Tage lang regierten letztes Wochenende Rock, Metal und auch ein wenig Hip Hop auf den Pannonia Fields in Nickelsdorf beim Nova Rock Festival. Über 220.000 Besucher feierten an diesen vier Tagen auf Österreichs größtem Rockfestival. Hier eine kurze Zusammenfassung, und eine Menge toller Fotos.

Party auf den Pannonia Fields II

Von Mittwoch bis Samstag beherbergten die Pannonia Fields im burgenländischen Nickelsdorf wie schon in den letzten Jahren das Nova Rock Festival. Jahr für Jahr weiß dieses Festival, seines Zeichens das größte seiner Art in Österreich wieder mit Neuerungen und Verbesserungen aufzuwarten. Sei es das bargeldlose Bezahlen, die Gelände- und Bühnenaufteilung, die kulinarische Verpflegung zigtausender Musikbegeisterter, oder das Rahmenprogramm. Immer wieder erstaunt es, was hier vom Veranstalter quasi im nichts, auf staubigen Wiesen und Feldern auf die Beine gestellt wird! Camping und Caravanplätze bieten in etlichen Varianten das gewünschte Festival-Wohnambiente, an den Gastroständen ist für jeden Geschmack etwas dabei, beim breit gefächerten Angebot muss niemand fürchten, verhungern zu müssen. Auch das Wetter spielte größtenteils mit. Kein Wunder also, dass auch die 2017er Ausgabe des Nova Rock wieder ein voller Erfolg war!

Tag 1 – Mittwoch

Bei frühsommerlichem Wetter mit viel Sonne und blauem Himmel trafen wir am Festivalgelände ein. Gerade rechtzeitig, um Airbourne, die Rocker aus Australien zu bestaunen. Wie immer wurde eine rasante, schweißtreibende Show geboten, genau der richtige Einstieg in ein Festivalwochenende! An diesem Starttag wurde nur eine der großen Bühnen, die Blue Stage, bespielt. Weiter ging es mit Steel Panther, der Blödeltruppe schlechthin. Die US Amerikaner bieten jedes Mal wieder eine gelungene Parodie auf das Glamrock Genre. Mit einer Menge Selbstironie, derben Texten und noch derberen Ansagen rockten Steel Panther, und animierten die eien oder andere Besucherin, sich obenherum für die Kameras freizumachen.
Im Anschluss daran strömten die Massen in die Wellenbrecherbereiche, um so nah wie möglich zur Bühne zu gelangen. Five Finger Death Punch waren an der Reihe. Aufgrund bandinterner Querelen und der Unpässlichkeit des originalen Frontman musste der Auftritt mit einem Gastsänger absolviert werden, was der Stimmung aber keinen merkbaren Abbruch tat.
Weit unter den Erwartungen blieb hingegen der Headliner Linkin Park. Die besten Zeiten der einstigen Nu Metal Ikonen scheinen vorbei zu sein. Viel zu poplastig und elektronisch kamen die Amerikaner daher, und irgendwie machte die ganze Show einen lustlosen Eindruck. Gerade bei den alten Hits kam einigermaßen Stimmung auf. Dafür legte der Late Night Act Fatboy Slim ein elektronisches Feuerwerk hin, um den Aufwärmtag zu beschließen.

Tag 2 – Donnerstag

Der Feiertag wartete mit blauem, wolkenlosen Himmel auf und trieb die Quecksilbersäule über die 30 Grad Grenze, an diesem Tag waren die Schneekanonen mitunter die wichtigsten Requisiten an den Bühnenrändern! Unser Musikprogramm begann mit den sensationellen Haudegen von Suicidal Tendencies, die das Publikum trotz Hitze und Staub zur Höchstform pushte. Nicht minder beeindruckend war auf der Red Stage, die heuer in schrillem Gelb erstrahlte, zeitgleich der Auftritt von Devildriver, und der anschließende Auftritt von Dillinger Escape Plan. Während auf der Blue Stage Me First and the Gimme Gimmes einige bekannte Hits in feinster Ska Manier verwursteten, war auf der Red Stage, an diesem Tag der eindeutig den härteren Klängen fröhnenden Bühne, Architects und danach das französische Aushängeschild in Sachen Metal, Gojira, an der Reihe, um dem Publikum eine Lektion in Headbangen und Moshen zu erteilen. Einen wunderbaren Auftritt legten auf der Blue Stage wieder einmal Alter Bridge hin, mit vielen neuen Songs im Programm hätte man sich aber den einen oder anderen älteren Kracher gewunschen, oder besser noch, ein wenig mehr Spielzeit. Während es auf dieser Bühne danach mit Good Charlotte weiterging, zog es mich aber rach wieder zurück zur Red Stage, wo Mastodon ein beeindruckendes Set vom Stapel ließen. Danach war Stärkung und Durchschnaufen angesagt, während Pendulum Live mit Elektronik, und A Day To Remember mit Post-Hardcore dem Publikum einheizten.
Für den Headliner auf der Blue Stage Blink 182 blieb leider angesichts des Hammerprogramms auf der Red Stage keine Zeit an diesem Abend. Dort heizten nämlich die Schweden von In Flames die Stimmung für den Höhepunkt des Tages an. Zu fortgeschrittener Stunde gab es eine Lehrstunde in Sachen Thrash Metal von den legendären Slayer. Besser, und vor allem härter kann ein Festivaltag kaum enden!

Tag 3 – Freitag

Das Wetter wurde unfreundlicher, Wolken, kleinere Schauer am frühen Vormittag und kurze sonnige Phasen wechselten sich ab, auffrischender Wind war der ganztägige Begleiter. An diesem Festivaltag blieb ich, soviel gleich vorweg, der Red Stage fern. Hip Hop und Reggae waren noch nie meins...
Abwechslungsreich ging es daher mit den Bands auf der Blue Stage durch den Nachmittag. Sleeping With Sirens, eine Post Hardcore Band aus Florida, machte dabei den Anfang. Sie sprachen vor allem das jüngere Publikum an, ebenso wie die gleich danach auftretenden Pierce The Veil, ebenfalls dem Genre Post-Hardcore zuzuschreiben, und ebenfalls staubaufwirbelnde Circle- und Moshpits produzierend. Dieser Umstand blieb auch bei Of Mice and Men unverändert. In solchen Momenten keimt leise in mir die Frage auf, ob ich nicht doch schon zu alt werde für Festivals. ...was natürlich vollkommener Schwachsinn ist! Bei Kreator, der deutschen Thrash Metal Legende schlechthin, fühlte ich mich gleich wieder gut aufgehoben!
Noch besser wurde es an diesem Abend nur mehr bei den beiden Headlinern. Den Anfang machten Prophets of Rage, die sich im Laufe ihres Auftritts den Namen „Prophets of Rain“ verdient hätten, als es zu regnen begann, und ein paar ordentliche kurze Schütter für gehörige Abkühlung sorgten. Das erst vor kurzem gegründeten Projekt aus Mitgliedern von Rage Against the Machine, Cypress Hill und Public Enemy befeuerten die Stimmung mit den größten Hits ebendieser Bands. Für einen Gänsehautmoment, wenn nicht für den Moment des Festivals schlechthin sorgte der Gastauftritt von Serj Tankian, der zu Ehren des jüngst tragisch verstorbenen Chris Cornell „Like a Stone“ sang.
Über jeden Zweifel erhaben war der den dritten Tag beschließende Auftritt der Alternative Götter System Of A Down. Die armenisch stämmigen Metalmusiker um Serj Tankian und Daron Malakian mit ihren unverwechselbaren Stimmen brannten ein wahres Feuerwerk ihrer Hits ab, und brachten die Stimmung im Publikum nahezu zum Kochen.

Tag 4 – Samstag

Die Regenwolken hatten sich nahezu verzogen, die Sonne wagte jedoch nur kurze Blinzler durch die durchwegs dichte Wolkendecke. Der starke Wind sorgte für frische Temperaturen am Abschlusstag des Nova Rock Festivals. Den musikalischen Beginn machten Feine Sahne Fischfilet. Die deutschen Punkrocker konnten kaum verbergen, wie erstaunt, fast schon überwältigt sie waren, als sie die Massen vor der Blue Stage sahen, die sich kurz vor 14 Uhr eingefunden hatten, um mit ihnen ausgelassen zu feiern. Nicht minder wuchtig ging es auf der Red Stage mit den heimischen Metallern Black Inhale zur Sache, während zeitgleich Rag´N`Bone Man, der Mann mit der gigantischen Stimme, auf der anderen Seite des Festivalgeländes eher ruhigere Töne anschlug, und damit das Publikum verzauberte. Auf der Blue Stage folgte der US Rapper Machine Gun Kelly, auf der Red Stage war sozusagen Legendenzeit mit Black Star Riders, einer Rockband mit ehemaligen Mitgliedern von Thin Lizzy. Zum einen oder anderen altbekannten Hit wäre ich gern noch bis zum Ende des Auftritts geblieben, entschied mich dann aber doch, mir Broilers komplett anzusehen. Meine Entscheidung lohnte sich allemal, Broilers haben sich zu einer wahren Bank gemausert, was Deutschrock angeht, und auch wenn Phrasen wie „die neuen Toten Hosen“ schon ein wenig abgedroschen klingen, es ist ein Funke Wahrheit dran, wenn man die Reaktionen des Publikums beobachtet! Im Anschluss daran machte ich einen (vor)letzten Abstecher zur Red Stage, wo die Hardcore Urgesteine von Hatebreed wüteten. Die US Musiker sind immer eine Bank, wenn man Action erleben will! Eine andere Legende trat danach auf der Blue Stage auf: die Ska-Punkrocker Rancid rund um Tim Armstrong hatten jede Menge Hits im Gepäck.
Fast so viele wie der Höhepunkt des Abschlusstages Green Day, die die Massen ein letztes Mal vor die Blue Stage lockte. Show, Show und nochmal Show von der ersten bis zur letzten Nummer, ständige, nicht enden wollende Animation des Publikums, und eine Unmenge mitsing- und Mitgröhlhits kredenzten Billie Joe Armstrong und seine Mannen dem aufgekratzen Publikum. Mehrmals wurden Fans auf die Bühne geholt, um das Mikro, oder die Gitarre zu übernehmen. Ein Fan, der seine Sache gut machte, durfte Billie´s Gitarre gar behalten. Man kann ja von Green Day halten, was man mag, sie in Richtung Mainstream oder Popmusik schieben, dass sie nicht wissen, wie man eine mitreissende Show arrangiert, aber auf keinen Fall! Ein würdiger Abschluss eines langen, anstrengenden und aufregenden Festivals.
...Moment, da war doch noch was! Auf der Red Stage gab sich The Hoff die Ehre, mit einer Late Night Show das heurige Nova Rock Festival zubeenden. Wie schon bei seinem ersten Auftritt vor ein paar Jahren zog er auch heuer wieder tausende nicht müde werden wollende Festivalwütige an, die den ehemaligen Knight Rider und Chefbademeister David Hasselhoff und seine Schlager zu feiern. Wir machten uns kurz nach Beginn, müde und ausgelaugt, auf den Weg in den Abreisestau.

Und weil nach dem Nova Rock 2017 vor dem Nova Rock 2018 ist, steht auch schon das erste Highlight für nächstes Jahr fest: Otto und die Friesenjungs sind schon jetzt bereit für nächsten Juni, wenn von 14. bis 16. Juni wieder die Staubwolken über den Pannonia Fields aufsteigen! Für fest entschlossene Nova Rock Jünger gibt es bereits Vorverkaufskarten!

interessante Links: