Rock in Vienna vom 03. bis 05.06.2016 auf der Wiener Donauinsel

Am vergangenen Wochenende war die Wiener Donauinsel wieder Schauplatz der zweiten Auflage des Rock in Vienna Festivals. Von 03. bis 05. Juni sorgten die Headliner Rammstein, Iggy Pop und Iron Maiden, sowie viele andere tolle Bands für einen Besucheransturm. Wir waren dabei und haben viele Fotos, und eine kleine Zusammenfassung mitgebracht.

3 Tage Festivalspass auf der Donauinsel

Zu den bereits aus dem Vorjahr bekannten beiden großen Bühnen, der Soul- und der Mindstage, die direkt nebeneinander standen, gesellte sich heuer auch noch die kleinere Jolly Roger Stage. Beim Bühnendesign wurden die beiden unlängst verstorbenen Musiklegenden Lemmy Kilmister und David Bowie gehuldigt.

Ansonsten setzte man auf das bereits aus dem Vorjahr bekannte, und bewährte Konzept. Die Donauinsel erwies sich abermals als ausgezeichnete Location für eine Veranstaltung dieser Größenordnung, quasi mitten in der Großstadt, und hervorragend erreichbar mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Besonders positiv hervorzuheben ist das heuer gebotene Gastroprogramm. Hier wurde deutlich mehr auf heimische Angebote gesetzt als noch im Vorjahr.

Der erste Tag

Bei frühsommerlicher Witterung, die bei weitem besser als prognostiziert war, pilgerten am frühen Nachmittag massenhaft Rockfans auf die Donauinsel, der erste Tag war der mit Abstand am stärksten besuchte Tag. Laut Veranstalter fanden sich 45.000 Besucher auf der Donauinsel ein. Der regelrechte Ansturm schlug sich daher auch in etwas längeren Schlangen im Eingangsbereich nieder.
Den musikalischen Anfang auf den beiden großen Bühnen, die wieder ohne größere Verzögerungen abwechselnd bespielt wurden, machte die deutsche Band Eisbrecher. Mit hartem deutschen Rock und lockerem bayrischen Schmäh der ideale Festivaleinstieg! Schwedischen Metal mit Elektronikeinflüssen gab es gleich im Anschluss daran von Pain, deren Frontman Peter Tägtgren ebenso am Freitag seinen Geburtstag feierte, wie auch Metalgott Kerry King.
Teil eins der Abordnung aus der Kategorie „The Big Four“ waren danach die Thrash-Metal-Legenden Anthrax, allen voran Frontman Joey Belladonna und ein spielfreudiger Scott Ian.
Über den Auftritt von Babymetal möchte ich nicht allzu viele Worte verlieren… Die Wikipedia-Definition „ japanisches Girl-Metal-Vokal- und Tanz-Trio“ umschreibt es noch am freundlichsten.
Piepsstimmige Mädchen, die in Schuluniformen zu Metalklängen in Mangamanier ein wenig herumhopsen und dabei nicht fotografiert werden möchten. Versteh ich! Dass danach ein paar Todesmutige deswegen gleich im Anschluss daran aus einem Flugzeug sprangen und nach spektakulärem Fallschirmflug sicher und am Gelände landeten, hatte übrigens nichts mit Auftritt von Babymetal zu tun, das nennt man „Red Bull Skydive Show“…
Richtige Musik gab es dann auch wieder, als mit Slayer dann Teil zwei der „Big Four“ die Bühne in Beschlag nahmen! Die Thrash-Metal-Legenden legten wieder einmal einen guten, wenn auch nicht restlos überragenden Auftritt hin, einzig die Lautstärke ließ, so wie generell über weite Strecken des Festivals, leider ein wenig zu wünschen übrig. Zwischen Opener „Repentless“ und letzter Nummer „Angel of Death“ gab es sowohl Klassiker, als auch neue Nummern auf die Ohren. Der Regenbogen, der gegen Ende des Sets über dem Festivalgelände auftauchte, hatte nahezu schon etwas Kitschiges!
Ein wenig beschaulicher ging es daraufhin bei Apocalyptica zur Sache. Die finnischen Cello-Rocker, die anno dazumal durch ihre Interpretationen von Metalklassikern von Metallica, Slayer, Sepultura und Co. Bekannt wurden, spielen inzwischen vermehrt Eigenkompositionen, und haben ab und an auch Schlagzeuger und Sänger mit dabei. So ganz vermochte der Funke auf das Publikum nicht überspringen, was aber mit Sicherheit auch der letzten Band des Abends, auf die alle schon sehnsüchtig warteten, geschuldet war.
Rammstein gibt sich mit herumspringenden Funken natürlich nicht zufrieden, hier ist dann schon eher die Rede von Flammenwerfern, Raketen, Feuerfontänen und pyrotechnischen Effekten der Sonderklasse! Nach ein paar Jahren der Bühnenabsenz war es aber auch wieder an der Zeit, dass die deutschen Industrial-Ikonen ihre irre Show hierzulande darbieten! Als Opener gab es gleich einmal eine neue Nummer mit dem Titel „Ramm 4“ zu hören, an sich schon eine kleine Sensation, da das letzte Album aus dem Jahr 2009 auch schon wieder ein wenig her ist! Im Text wurden Songtitel aus allen möglichen ihrer Songs verwurstet, im Refrain heißt es schlicht „Ja, Nein, Rammstein“. Die darauffolgende Inszenierung mit einem Hit nach dem anderen, von „Reise, Reise“ über „Feuer frei!“, „Du riechst so gut“ hin zu „Du hast“ ging es Schlag auf Schlag. Eine kleine Panne mit dem Mikro, wie geschehen bei der ersten Zugabe „Sonne“ kann einen Till Lindemann natürlich nicht aus dem Konzept bringen, er überließ einfach das Publikum den Gesangspart. Mit „Ohne dich“ und „Engel“ ging dann der erste Festivaltag pompös zu Ende.

Der zweite Tag

Tag zwei knüpfte wettertechnisch nahtlos an den Vortag an. Sonne und Wolken wechselten sich bei frühsommerlichen Temperaturen ab. Konzerttechnisch ging es auf den beiden Großbühnen hingegen mit einer kleinen Verspätung los, da das Gelände leider nicht planmäßig für die Besucher geöffnet werden konnte. Verantwortlich dafür war ein Bienenvolk auf Irrwegen, das von Imkern der Wiener Feuerwehr erst dazu überredet werden mußte, dass ein Rockfestival nix für kleine Bienen ist.
Den musikalischen Anfang machten Anti-Flag. Die Punk Rocker aus den USA, bekannt für ihre sozialkritischen, politischen Texte und ihre energiegeladenen Shows, stimmten die Festivalgäste somit bestens auf Tag zwei ein! Gegen Ende ihres Sets verlegten Sie die Bühne kurzerhand ins Publikum, samt Schlagzeug wurde mitten in der Menge weitergespielt.
Weiter ging es mit einem fesselnden Auftritt der schwedischen Psychedelic-Hardrocker Graveyard. Zugegeben ist kurz nach 15 Uhr am Nachmittag nicht die richtige Zeit für dies Art Musik, dennoch war der Auftritt von Graveyard fantastisch! Eine kleine Überraschung waren danach Royal Republic! Die Schweden-Rocker wussten mit einem gelungenen Auftritt, irgendwo zwischen The Hives und Triggerfinger anzusiedeln, zu gefallen!
Erstes ganz großes Highlight an diesem zweiten Festivaltag, der lineuptechnisch der am ehesten als „ruhiger“ zu betrachten war, war der Auftritt von Juliette Lewis und ihrer Band The Licks! Die aus Film und Fernsehen bekannte Schauspielerin legte, wie erst vor ein paar Wochen in der Arena, eine energiestrotzende, verrückte Show hin. Nicht müde werdend zu betonen, dass die trotz mehrtägigem, tourbedingtem Schlafmangel dennoch nicht müde sei, nahm man ihr sofort ab! Im hautengen, hyper-patriotischen USA-Anzug wirbelte sie über die Bühne, dass es eine wahre Freude war! Die Vorfreude auf das neue Album ist riesig!
Munter ging es weiter mit The Subways, die in gewohnt motivierter Manier eine solide Show ablieferten. Ihr größter Hit „Rock & Roll Queen“ ist dabei wie immer nicht zu toppen gewesen. Die britischen Indie-Rocker sind live immer wieder eine Bank. Das kann man von den ehemals hochgelobten Mando Diao leider nicht mehr in dieser Art und Weise behaupten. Irgendwie wollte bei den Schweden der berühmte, und viel bemühte Funke nicht überspringen. Teilweise zu experimentell (für einen Festivalauftritt), teilweise fast schon lustlos wirkend hat man die Schweden durchaus noch besser in Erinnerung.
Umso intensiver und fesselnder war dafür dann der Auftritt von Biffy Clyro. Nach einer doch schon etwas ausgedehnteren Bühnenabstinenz sind sie in alter Stärke wieder zurück! Das Trio aus Schottland wusste das Publikum vor allem mit Nummern ihres Hammeralbums „Opposites“ wie „Biblical“, „Black Chandelier“, „Sounds like Balloons“ oder „Stingin´ Bell“, aber auch mit brandneuem Material wie „Animal Style“, einem Vorboten auf das neue Album, als auch mit älteren Perlen wie „Bubbles“ zu begeistern! In Kombination mit einer tollen Lichtshow war das (zumindest aus meiner bescheidenen Sicht) eines der Highlights des Festivals!
Wobei wir beim unumstrittenen Highlight des zweiten Tages, beim Godfather of Punk, Mr. Iggy Pop, wären! Scheinbar unverwüstlich lehrt er die Jungen immer noch, wie man die Menge begeistert. Energiegeladener als manch 20-Jähriger gibt der inzwischen 69 Lenze zählende Iggy Pop auf der Bühne nach wie vor alles! Gleich zu Beginn ließ der Altmeister mit Krachern wie „I Wanna Be Your Dog“, „The Passenger“, „Lust for Life“, aber auch in weiterer Folge mit „Sixteen“, „Real Wild Child“, oder „Search and Destroy“ einen Welthit nach dem anderen auf das Publikum los. Wie man ihn kennt und liebt, stets mit nacktem Oberkörper, auf dem die Zeit mehr als nur Spuren hinterlassen hat, stets unter Strom, und einen erheblichen Zeit der Show irgendwo unten, ganz nah an den Fans! Erst der Zugabenblock gehörte dann seinem neuesten Album „Post Pop Depression“. Die neuen Stücke „Sunday“, „Break into your Heart“, „Gardenia“ oder „Paraguay“, die er mit Mitgliedern der Queens of the Stone Age aufgenommen hat, wurden von den Fans aber ebenfalls groß gefeiert. Ein mehr als würdiger Abschluss des zweiten Festivaltages!

Der dritte Tag

Am letzten Festivaltag kam er doch noch, der Regen, der für das ganze Wochenende prognostiziert worden war. Dazu aber später!
Bei drückend schwülem Wetter ging es schon zu Mittag los. Mit Tremonti und Shinedown startete der letzte Tag gleich einmal mit zwei US Bands. Namensgeber Mark Tremonti, hauptberuflich Alter Bridge Gitarrist, schlägt bei seinem Soloprojekt eine Spur härtere Töne an. Shinedown verstanden es, perfekt mit dem Publikum zu spielen, und sorgten trotz kurzem Auftritt für gehörig Stimmung! Allein schade war, dass Sie kaum älteres Material, sondern durchwegs nur neuere Nummern speilten.
Der im Anschluss daran auftretenden Zakk Wylde, weltberühmter ehemaliger Gitarrist bei Ozzy Ozbourne, und Chef der Band Black Label Society, ist natürlich musikalisch und spieltechnisch über jeden Zweifel erhaben. Seine langatmigen, wenn auch perfekt gespielten Gitarrensoli waren dann aber für einen Teil der Besucher zu viel für diese Uhrzeit. Für mich persönlich war das aber noch um Längen besser und interessanter als die beiden nachfolgenden Slots, nämlich Powerwolf und Gojira. Deutscher Powermetal in Metal-Messen-Aufmachung und französischer Death-Metal, beides Musikrichtungen, mit denen ich mich definitiv nicht identifizieren kann, ich hoffe, man hat Nachsicht mit meinem Musikgeschmack!
Kreator mit deftigem Thrash-Metal, das geht dann schon wieder eher in meine Richtung! Das Metal Urgestein aus Deutschland rockte kreischend durch die Setlist, und heizte dem Publikum gehörig ein. Während dieses Auftritts setzte der erste, vorerst noch kurze Regenschauer ein. Dadurch ein wenig zeitverzögert, dafür aber pompös ging es danach bei Nightwish zu, die Ikonen des Symphonic-Metal aus Finnland warteten mit einer fantasievollen Videoshow auf, Sängerin Floor Jansen trällerte in genretypischer Manier zu den Metalklängen der Band. Danach waren die Mittelalterrocker von In Extremo an der Reihe. Während ihres Auftritts zog eine schwarze Wolkenfront auf, und es wurde nass. So nass, dass In Extremo ihren Auftritt nach nur wenigen Nummern leider abbrechen mussten. Angesichts der Ereignisse beim am selben Wochenende stattfindenden Rock am Ring sicherlich keine falsche Entscheidung!
Das große Finale des heurigen Rock in Vienna fand dann trotzdem wie geplant statt. Iron Maiden, die bereits am Vortag mit ihrem Jumbo Jet „Ed Force One“ in Schwechat gelandet waren, lieferten ein Hitfeuerwerk ab. Mit wie immer aufwändigem Bühnenaufbau und beeindruckenden Licht- und Feuereffekten rockten sie trotz anhaltendem Regen rund zwei Stunden lang die Donauinsel. Das aktuelle Album „Book of Souls“ war in der Setlist natürlich ausgiebig vertreten, Klassiker wie „The Trooper“, „Fear oft he Dark“ oder „The Number of The Beast“ durften naturgemäß auch nicht fehlen. Der sichtlich gut gelaunte Bruce Dickinson ließ es sich auch nicht nehmen, Drummer Nicko McBrain zu seinem 64. Geburtstag zu gratulieren. Mit diesem Hammerauftritt ging das Rock in Vienna Festival mehr als würdig zu Ende.

Der Termin für das Rock in Vienna 2017 steht schon fest, es gibt auch bereits Tickets, aktuell zum Frühbucher-Sonderpreis! Wir sehen uns also im Juni 2017 wieder auf der Donauinsel!

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