Alice Cooper live am Novarock 2016

Jetzt ist das heurige Nova Rock Festival auch schon wieder Geschichte! Am vergangenen Wochenende waren die Pannonia Fields II in Nickelsdorf zwischen Donnerstag und Sonntag Schauplatz des größten heimischen Rockfestivals. Eines vorweg, es war in vielerlei Hinsicht ein Festival, das nur schwer zu toppen sein wird! Rekordbesucherzahlen, hervorragende Organisation und eine Unmenge toller Bands. Neben haufenweise Bildern haben wir eine kleine Zusammenfassung für euch.

4 Tage Festivalspass

Man kann Veranstalter Ewald Tatar und seinem Team wirklich großes Lob aussprechen! Stetig wurde das Nova Rock Festival in den letzten Jahren in allen Belangen verbessert. Die erst wenige Tage vergangene letzte Auflage noch zu toppen, könnte schwierig werden! Mitten in der Pampa, besser gesagt in den Ausläufern der Puszta, ein Festival aus dem Boden zu stampfen, alle Achtung! Dass dann das Gesamtpaket stimmt, ist keineswegs aufgelegt. Dazu bedarf es schon jahrelanger Erfahrung, damit ein Festivalwochenende zu einem stimmigen Rundumerlebnis wird.

Neben den wichtigsten Protagonisten, den Bands, passte am Nova Rock so ziemlich alles. Angefangen beim gastronomischen Angebot, das mit regionalen Köstlichkeiten ebenso aufwartete, wie mit qualitativ guten internationalen Köstlichkeiten. Beim Anblick der Spansau, die ihre letzten Runden am Spieß über den glühenden Kohlen dreht, läuft einem automatisch das Wasser im Mund zusammen! Vorbei die Zeiten, in denen Pizza Mario und der Asianudelstand die Hauptnahrungsquelle waren. Ein riesiger Schritt ist mit der Premiere des bargeldlosen Zahlens auf einem heimischen Festival gelungen. Diese Neuerung wurde auch von den Besuchern gut angenommen.

Die beiden großen Bühnen, die Red und die Blue Stage standen wie schon im Vorjahr nur ein paar hundert Meter voneinander entfernt, heuer wurde lediglich die eine Spur kleinere Red Stage ein wenig nach außen von der Blue weggedreht. Merkbar machte sich die geringe Entfernung lediglich bei ganz ruhigen Nummern, bei denen konnte die Konkurrenzveranstaltung auf der anderen Bühne schon zu kleineren, nervigen Nebengeräuschen führen.

Der Aufwärmtag

Heuer dauerte das Nova Rock Festival gleich vier Tage lang. Der Donnerstag war zum Aufwärmtag erklärt worden. Es wurde „nur“ die Blue Stage bespielt, die dafür aber mit einem Lineup, das sich sehen lassen kann! Die ersten Bands haben wir leider aus arbeits- und anreise-, besser gesagt staubedingten Gründen leider noch nicht sehen können. Immerhin ging sich der Auftritt von Puscifer noch gut aus. Das Projekt des Tool-Masterminds Maynard James Keenan war nicht nur musikalisch interessant, sondern auch in visueller Hinsicht ein Erlebnis. Der Meister selbst, und auch alle anderen Bandmitglieder traten im Stile von Wrestlern auf, mitunter ging es zur Mischung aus Rock und elektronischen Klängen im eigens aufgestellten Boxring ordentlich zur Sache.

In eine ganz andere Kerbe schlugen die schwedischen Wikinger von Amon Amarth. Melodischer Death Metal, nordische Heldensagen und ein vollbärtiger Hüne, eine gute Kombination! Danach sorgten Billy Talent für ausgelassene Stimmung. Die Punkrocker aus Kanada, allen voran ein gut gelaunter Sänger Ben Kowalewicz, die in Kürze ihr neues Album veröffentlichen, brachten die Menge zum Toben. Der Ersatzdrummer für den an MS erkrankten Aaron Solowoniuk machte seine Sache auch gut. Nahezu alle bekannten Hits wurden gespielt, Billy Talent gaben mit diesem Auftritt eine gute Visitenkarte für Ihr Wienkonzert im November ab!

Headliner, und gleichzeitig auch Überraschung des Abends waren Korn! Waren die letzten Auftritte noch eher durchwachsen, präsentierte sich Frontman Jonathan Davis wiedererstarkt, und stimmgewaltig wie zu seinen besten Zeiten. Bei einsetzendem Nieselregen beschlossen die Nu Metal Heroes aus Kalifornien den ersten Tag des Festivals.

Der Freitag

Die angekündigten Unwetter und Regenschauer blieben zum Glück aus, bei abwechselnd Sonnenschein und Bewölkung begann unser Tag mit dem Auftritt von Atreyu. Die zeigten neben ihrem Hauptgeschäft Metalcore auch ihre sanfte Seite, als sie ein Bon Jovi Cover zum Besten gaben, und hunderte harte Jungs lautstark und sehr textsicher mitgrölten. Für hervorragende Stimmung am frühen Nachmittag sorgten Skindred. Die Engländer stilistisch in eine Lade zu stecken, ist unmöglich! Skindred verwurschten alles, von Hip Hop, Metal, Punkrock, Reggae bis hin zu Justin Bieber ist vor ihnen nichts sicher! Ihre Shows machen einfach Spass, trotzdem blieb aber auch Zeit, den Legenden Lemmy, Bowie und Prince Ehre zuteilwerden zu lassen!

Ein wenig aus der Reihe fielen auf der Blue Stage die fantastischen britischen Indie-Rocker Editors.
Sie passten lineuptechnisch so gar nicht ins Programm, was ihnen auch selbst aufgefallen sein dürfte. Sänger Tom Smith strich extra hervor, dass seine Band wohl die einzige tattoofreie an diesem Tag sei.
Vor allem auf der Red Stage regierten an diesem Tag die harten Klänge mit den Finnen von Children Of Bodom, und Metalcore von Trivium und Bullet For My Valentine. Bei letzteren steigt aus dem Circlepit schon eine gehörige Staubwolke auf! Mein ganz persönliches kleines Highlight an diesem Abend waren aber auf der Red Bull Brandwagen Stage Deez Nuts. Die Australier leiferten eine schweißtreibende Hardcore Show ab, good old Oldschool Hardcore. Danke dafür!

Auf der Blue Stage hatten zuvor Garbage eine tolle Show mit fast allen ihren Hits abgeliefert. Frontfrau Shirley Manson kam für ihre fast schon 50 noch sehr jung und motiviert rüber, und konnte sich noch genau an ihren letzten Österreich-Auftritt in Wiesen, insbesondere an ihren legendären Ausraster, erinnern. Von eben erwähntem Deez Nuts Auftritt zurückkehrend konnte ich auch noch die letzten drei, vier Nummern der ewig junggebliebenen Punkrock Heroes The Offspring mitnehmen. Wie immer nett anzusehen, wenn auch schon zig Mal gesehen.

Das Abschlussprogramm dieses Tages hätte konträrer nicht sein können. Mit Wanda gab es endlich wieder einmal einen, wenn auch polarisierenden, österreichischen Headliner! Das heimische Pop Wunder Wanda legte aber mit all ihren Ohrwürmern einen Auftritt hin, der die Leute kollektiv mitriss, zumindest die, die Blue Stage gewählt, und dem Headliner auf der Red Stage vorgezogen hatten. Um Material zum Schreiben zu haben, habe ich - im Nachhinein gesehen leider – nach rund der Hälfte des Wanda Konzertes die Bühne gewechselt. So sehr ich Disturbed mag, dieser Auftritt war nicht wirklich das Gelbe vom Ei… Schön und gut, Ihr Phil Collins Cover in Ehren, und auch die aktuelle Nummer-Eins-in-der-Hitparade Coverversion „Sound of Silence“, der man Gänsehautstimmung nicht absprechen kann, lässt man sich gern gefallen. Dann aber noch zusätzlich U2, The Who und Rage Against The Machine covern zu müssen, geht besonders bei einem Headliner dann einen Schritt zu weit. So wenig gute Nummern haben Disturbed dann auch wieder nicht…
Wenigstens klang der zweite Tag dann lustig aus, als die EAV zur Late Night Show bat.

Der Samstag

Der vorletzte Festivaltag begann wettertechnisch so, wie der Vortag geendet hatte, Wolken und Sonne, dann wieder Wolken, gefolgt von Sonne. Enden sollte er nachts anders…
Zu den Klängen der heimischen Band Krautschädl kamen wir am Festivalgelände an. Kreuz und quer zwischen den Bühnen switchend gab es auch an diesem Tag ein abwechslungsreiches Programm zu bestaunen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das musikalische Spektrum im Vergleich zu den Vorjahren breiter geworden ist. Ob das gewollt passiert, weil der Konkurrenz und unmittelbar am Wochenende davor stattfindendem Festival in Wien, und damit dünnerem Angebot an verfügbaren Bands geschuldet, oder schon im Zuge einer Neuausrichtung des Festivals zur Erschließung neuer Klientel, sei dahingestellt. Interessant machte es das Lineup in jedem Fall!

Slaves aus England, Kravall und schräge Töne am frühen Nachmittag, wurde auf der Blue Stage abgelöst von Periphery, einer Progressive Metal Band aus den USA. Hatte ich noch nie gesehen, werde ich mir bei Gelegenheit sicher wieder ansehen! Während heute auf der Blue Stage die Fans der härteren Klänge mit Caliban und August Burns Red bedient wurden, ging es auf Red Stage eine Spur beschaulicher zu. Nach dem jungen britischen Singer-Songwriter Tom Odell und seinem Flügel wurde es bei Steve´N`Seagulls so richtig unterhaltsam. Die verrückte finnische Counrty Band covert mit Ziehharmonika, Banjo und Mandoline so ziemlich jeden erdenklichen Metalklassiker von Maiden, Metallica, Sabbath, AC/DC und Co., keiner bleibt verschont! Eine besondere Erwähnung gebührt an diesem Tag auch wieder der Red Bull Brandwagen Stage, besser gesagt den dort aufgetretenen Bombus! Die Schweden warteten mit einer lupenreinen, und gleichzeitig dreckigen Hardrock-Show auf!

Einen musikalischen Abstecher nach Boston machten wir danach mit den Dropkick Murphys. Habe ich bei ihren letzten Festivalauftritten immer wieder ein wenig geschimpft, gab es dafür diesmal nichts auszusetzen. In altbekannter Spiellaune und voll motiviert lieferten die Murphys eine sehr energiegeladene und kurzweilige Show ab. Mein heimlicher Headliner spielte gleich im Anschluss daran. Der Altmeister des Gruselrock Alice Cooper war wie immer Garant für eine witzige Bühnenshow und soliden Rock, bei Klassikern wie „Poison“ grölt naturgemäß das ganze Festivalgelände mit.

Auf der benachbarten Bühne traten zeitgleich die heimischen Senkrechtstarter Seiler & Speer auf. Einen ausführlichen Bericht zu ihnen habe ich mir für das in Kürze stattfindende Lovely Days Festival aufgehoben!
Während auf der Red Stage mit Headliner Cypress Hill eine Hip Hop Legende auftrat, beschlossen die dänischen Rocker Volbeat mit einer Menge Hits den Samstag auf der Blue Stage. Einziger Spielverderber war der stärker werdende Regen, der am späten Abend eingesetzt hatte. Der Stimmung tat er während Volbeat nicht wirklich Abbruch. Im Vorbeigehen bekamen wir am Nachhauseweg dann auch noch ein gutes Stück von der Late Night Show des großartigen Austrofred mit.

Der Sonntag

Am finalen Tag des heurigen Nova Rock Festivals ließen wir es langsamer angehen, und trafen erst am frühen Nachmittag am Festivalgelände ein. Nichtsdestotrotz blieb genug Zeit, um noch einmal eine Brise Festivalstimmung aufzusaugen, und das Ambiente am Gelände zu genießen. Der Regen vom Vortag hatte außer kleineren Pfützen keine gröberen Spuren hinterlassen, das Wetter zeigte sich ebenfalls wieder von der freundlicheren Seite. Bis auf einen kurzen Nieselregen blieb es jetzt trocken bis zum Schluss. Zur Mittagszeit hatte wieder der bereits zur Tradition gewordene Frühschoppen mit Wendi's Böhmische Blasmusik für beste Laune gesorgt.

Musikalisch stiegen wir beim Auftritt von Gary Clark Jr. ein. Der US-Amerikaner sorgte für ein frühes Highlight an diesem Tag. Er entpuppte sich rasch als Virtuose an der Stromgitarre, der mit einer Mischung aus Blues und Rock, und seiner Soulstimme das Publikum verzauberte!
Danach herrschte Pandabärenalarm auf der Red Stage. Behemoth, eine Band aus Polen, die (angeblich) irgendwo zwischen Death und Black Metal zuhause sein soll, habe ich mir sagen lassen. Da ich mit dieser Art Musik wenig bis gar nichts anfangen kann, werde ich auch kein weiteres Wort darüber verlieren. Killswitch Engage aus den USA spielten danach Metalcore, damit kann ich schon wieder eine Spur mehr anfangen. Die tobende Meute ganz vorne im Moshpit sichtlich auch.

Ein weiteres Highlight folgte dann, ebenfalls auf der Red Stage, mit der sympathischen deutschen Metalcore Band Heaven Shall Burn. Die Shows der Jungs aus Thüringen sind jedes Mal wieder energiestrotzende Ereignisse. Fast so energiegeladen wie mein persönlicher Headliner zum Finale des Nova Rock! Die Deftones spielten auf der Blue Stage ganz groß auf! Das war von A bis Z ein über jeden Zweifel erhabener Auftritt! Harte Riffs, dazu die unvergleichliche Stimme des fantastischen, und nebenbei bestens aufgelegten Chino Moreno, ich hatte mich nicht umsonst schon im Vorfeld lange auf diesen Auftritt gefreut! Da ich mir das bis zum Ende live geben musste, sah ich leider nur mehr die letzten 3 Nummern der Hardrocklegende Twisted Sister, die sich gerade auf Abschiedstour befinden, bevor es in die wohlverdiente Rockerpension geht! Einen müden Eindruck hinterließen sie jedenfalls nicht!

Die Ehre, das Programm des heurigen Nova Rock zu beschließen, hatten die Red Hot Chili Peppers. Solide, wenn auch schon weit besser gesehen, spulten Bassist Flea und der immer noch schnauzbarttragende Anthony Kiedis ihr Hitfeuerwerk herunter, bei Nummern wie „Californication“, „Can´t Stop“ „By The Way“ „Under the Bridge“ und dem abschließenden „Give it Away“ kann aber auch so gut wie nix schief gehen!

Mit einem gigantischen Feuerwerk ging das Nova Rock 2016 zu Ende, die Vorfreude auf die 2017-er Auflage wurde bereits vor Ort befeuert, indem mit Late Night Special David „The Hoff“ Hasselhoff bereits der erste Act bekannt gegeben wurde!

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